Meinung : Wettlauf um die Kleinen

Warum auch private Träger der Kinderbetreuung vom Staat gefördert werden sollten.

Antje Sirleschtov

Was dürfen Eltern erwarten, die ihre Kinder von Montag bis Freitag der staatlichen Obhut anvertrauen? Und zwar ganz gleich, ob es dabei um die Betreuung der Kleinsten in Krippen oder Kitas geht oder um ihre Bildung in Schulen. Eltern müssen darauf vertrauen können, dass ihre Kinder in einer sicheren und gesunden Umgebung leben und lernen können, ihnen dabei gut ausgebildete Betreuer und Lehrer zur Seite stehen und sie nicht schon am Anfang ihres Lebens zu Opfern sozialer Ausgrenzung werden.

Dieser Herausforderung muss sich ein Sozialstaat umso mehr stellen, je stärker er die Verantwortung an sich zieht. Indem er etwa – wie es derzeit in Deutschland geschieht – Eltern dazu ermuntert, ihre kleinen Kinder nicht mehr vorwiegend zu Hause, sondern in immer größerer Zahl in Krippen und Kindergärten betreuen zu lassen. Und dafür sogar Milliardenbeträge zur Verfügung stellt.

Mit dem neuen Kinderförderungsgesetz will Familienministerin von der Leyen nicht nur regeln, wie die Milliardenbeträge in Zukunft verteilt werden sollen, mit denen Bund, Länder und Kommunen die Zahl der Krippenplätze anheben wollen. Die Ministerin will auch die staatliche Verantwortung für die Betreuung der Kinder auf eine vollkommen neue Grundlage stellen. Und zwar, indem sie das bislang herrschende quasi-staatliche Betreibermonopol in diesem Bereich beendet. In Zukunft sollen nicht nur Kommunen und gemeinnützige Einrichtungen Kindergärten und -krippen betreiben und dabei vom Staat finanziell unterstützt werden. Auch privaten Betreibern soll dieser Weg geöffnet werden.

Für die Betroffenen – die Eltern also – ist das eine gute Botschaft. Bedeutet es doch, dass sich der Staat künftig auf die ihm zukommende Aufgabe konzentriert. Und die lautet: Standards für die Betreuungseinrichtungen setzen, sie finanziell unterstützen. Und zwar unabhängig davon, ob Kirchen, Sozialverbände, Unternehmen oder Elterngruppen Betreiber sind.

Setzt sich die Ministerin durch, wird das nicht nur private Initiativen dort zum Engagement beflügeln, wo heute noch weiße Flecken auf der Betreuungslandkarte sind. Es wird auch für Pluralität der Angebote und damit dafür sorgen, dass sich die Einrichtungen vor Ort den Wünschen der Eltern anpassen – und nicht umgekehrt.

Auch Kinder ärmerer Eltern werden profitieren – wenn das Prinzip gleiche Förderung bei gleichen Gebühren auch umgesetzt wird. Sie, die Ärmeren, leiden am meisten unter der Zweiklassenbetreuung, die es heute immer häufiger gibt, weil private Betreiber vom Staat weniger finanzielle Hilfe erhalten als dessen eigene Einrichtungen und die Lücken mit hohen Gebühren der Eltern schließen müssen.

Was Eltern erwarten, das ist bezahlbare Qualität. Sie erwarten aber nicht, dass diesen Anspruch nur die Kindergärten der Kommunen, Kirchen und Sozialträger einlösen können.

0 Kommentare

Neuester Kommentar