Meinung : Wie es ihm gefällt

HAIM SABAN KAUFT PROSIEBENSAT 1

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Die Tinte unter dem Vertrag war noch nicht trocken, da gab der neue Herr des größten deutschen Fernsehkonzerns schon einen Kommentar zur Lage der Nation ab. Er wolle sich zwar nicht einmischen, sagte Haim Saban, aber über den israelischarabischen Konflikt werde in Europa extrem einseitig berichtet. Wie gesagt, einmischen in das, was seine Mitarbeiter bei ProSiebenSat1 journalistisch treiben, will Saban sich nicht, nur so viel: „Sie müssen ausgewogen bleiben.“ So harmlos kann eine knallharte Drohung klingen. Denn was ist das schon, ausgewogen? Im Zweifel das, was dem Chef gefällt. Nun ist es zwar das gute Recht eines jeden Medienunternehmers, über Schlüsselpositionen ein bestimmtes – sagen wir: Profil zu prägen. Aber über die Frage, was ausgewogene Nachrichten sind, sollten besser auch künftig Journalisten entscheiden können. Über diesen klassischen Konflikt zwischen Redaktionen und Eigentümern hinaus bahnt sich ein weiterer an, vor dem sich die Politik fürchtet: Einen Berlusconi oder Murdoch oder irgendeinen anderen mächtigen ausländischen Investor als Meinungsmacher deutscher Massenmedien und zugleich als Gegner zu haben. Ist das schlimmer als das parteipolitisch ausgewogene Gewürge bei den Öffentlich-Rechtlichen? Ja, muss man mit Blick auf Italien sagen, eindeutig. Bloß gut, dass es hierzulande die Öffentlich-Rechtlichen gibt, die mit „Tagesschau“ und „heute“ den Ton angeben. Und bloß gut, dass man noch wirklich umschalten kann, wenn man nicht für ausgewogen hält, was einem dafür verkauft wird. Folgerichtig hat Saban auch die Öffentlich-Rechtlichen angegriffen: Dort dürfe keine Werbung mehr laufen. Wir werden sehr genau hinsehen, was bei ihm läuft.lom

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