Meinung : Wie man sich verliert

DIE IG METALL TAGT

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Die IG Metall hat zum ersten Mal seit Jahrzehnten einen Arbeitskampf verloren. Über viele Wochen tobte ein Machtkampf, der die 2,6Millionen-Organisation gespalten hat. Ein Vorsitzender trat nach zehn Jahren im Amt zurück. Vielerorts gilt die IG Metall als Standortrisiko, Bremser und Blockierer sozialpolitischer Reformen. All das ist wahr – aber offenbar nicht so schlimm. Jedenfalls nicht für die IG Metall. Die Zeiten sind halt schwer, das Kapital wird immer dreister und die Regierung immer unsozialer. Nur vereinzelt befassten sich die 600 Delegierten in Frankfurt mit der eigentlichen Aufgabe des vorgezogenen Treffens: Konsequenzen aus der Niederlage zu ziehen, die sozialpolitische Debatte fortzuführen, Selbstkritik zu üben, den Standort zu bestimmen. Vermutlich geht es der IG Metall noch zu gut. Mehr als 400 Millionen Euro zahlen die Mitglieder jedes Jahr an Beiträgen, das Geldvermögen wird auf 1,5 Milliarden Euro geschätzt, 120 Immobilien gehören zum Vermögen. Auch wenn die Mitgliederzahl auf zwei Millionen sinkt, wird die IG Metall mächtig sein und vielen Funktionären Einkommen und Einfluss sichern. Aber wird ihre Stimme auch in der Öffentlichkeit noch gehört werden? Mit welcher Tarifpolitik reagiert sie auf das Desaster im Osten, auf den zunehmenden Druck auf die Flächentarifverträge? Die IG Metall weiß es nicht. Auch, weil die Branchen und Betriebe in der Metallindustrie so unterschiedlich sind, und ebenso die politischen Strömungen in der Gewerkschaft. Doch Geschlossenheit ist das Pfund jeder Gewerkschaft. Die Ironie der Geschichte: Ausgerechnet das so unterschiedliche Tandem Jürgen Peters/Berthold Huber soll Geschlossenheit vorleben. Ob das gut geht? alf

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