Meinung : Wieder auf Sand gebaut

Die Chipfabrik scheitert an der Selbstüberschätzung der Politik

Michael Mara

Geht es weiter wie bisher, wird Brandenburg kein High-Tech-Land, dafür ein überdachtes Tropenparadies. Mit der riesigen Cargolifter-Halle wird 2004 der Anfang gemacht. Besucher werden dort keine Zeppeline, dafür aber den Regenwald bewundern können. Jetzt muss eine Nutzung für die Halle der Chipfabrik in Frankfurt/Oder gefunden werden, die kleiner, aber auch ganz imposant ist. In beide Prestige-Vorhaben hat das Land viele Millionen gesteckt. Sie fehlen bei der Förderung des Mittelstandes, der nun mal das Rückgrat der Wirtschaft ist.

Für das klägliche Scheitern des 1,1-Milliarden-Projektes der Communicant AG gibt es viele Gründe. Aber der größte Fehler ist die direkte Verknüpfung mit der Politik, die hier in krasser Weise deutlich wurde: Der damalige Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) und sein damaliger Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß (CDU) haben das Projekt vor fast drei Jahren als Glanzleistung ihres Wirkens verkündet – obwohl es keine vertraglichen und finanziellen Grundlagen gab. Sie weckten Erwartungen, die die Landesregierung in immer neue Abenteuer trieben: Aus der für den Notfall angepeilten Bürgschaft wurde eine Beteiligung des Landes. Weil es bei Communicant von Anfang an Management-Probleme gab, musste der unerfahrene einstige Büroleiter des Wirtschaftsministers den Sessel des Vorstandschefs übernehmen. Fürniß selbst führte die Verhandlungen mit dem Hauptfinanzier Dubai – und stürzte über sie, weil er sich nebenbei von den Scheichs einen privaten Millionenkredit besorgte.

Die Geschichte der Frankfurter Chipfabrik ist ein skandalöses Beispiel dafür, was passiert, wenn Politiker sich überschätzen und als Unternehmer versuchen. Da wurde ohne gesichertes Finanzierungskonzept einfach drauflos gebaut. Da wurde kritischen Politikern, die vor dem Desaster warnten, ein Maulkorb verordnet. Dabei war der Geburtsfehler des Start-up-Unternehmens offensichtlich. Es fehlte ein starker industrieller Gesellschafter, der das in seiner Grundidee akzeptable Konzept – nach einer vor Ort entwickelten Technologie auch vor Ort zu produzieren – professionell hätte verwirklichen können. Die Politik, das ist die Lehre, kann einen Investor nicht ersetzen.

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