Meinung : Wieder was wert

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Es ist noch nicht ein Jahr her, da schien das Schicksal der deutschen Banken besiegelt: abgeschlagen auf dem Weltmarkt, nur noch als Übernahmeobjekte interessant. Der Bundeskanzler schaltete sich ein, um wenigstens ein deutsches Institut mit Weltruf zu erhalten. Heute stellt sich die Lage anders dar. Zwar ist mit der HypoVereinsbank aus München inzwischen das drittgrößte Haus in italienischem Besitz, aber die Gewinne sprudeln wieder, und bei den Italienern scheinen sich die Bayern ganz gut aufgehoben zu fühlen. Sie dürfen in Deutschland (noch) ihre eigene Strategie verfolgen. Auch die Postbank, die vor Jahresfrist als Rettungsring für die Deutsche Bank herhalten sollte, hat sich gut aufgestellt. Josef Ackermann schließlich, der umstrittene Chef der größten deutschen Bank, hat mit einem Rekordgewinn vom 2,1 Milliarden Euro überrascht. Die 25 Prozent Rendite, die der Deutsche-Bank-Chef als Ziel ausgegeben hat, scheinen in greifbare Nähe gerückt. Analysten und Anteilseigner jubeln, doch verdecken die guten Zahlen, dass bei der Deutschen Bank noch einiges im Argen liegt. Die Klage von Leo Kirch gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden Rolf Breuer ist noch nicht vom Tisch, und mit Mannesmann hängt Ackermann ein weiterer Klotz am Bein. Ackermann hat zwar sein Auftreten in der Öffentlichkeit verbessert, aber noch ist seine überhebliche Art nicht vergessen. Und auch der unverändert geplante Abbau von Arbeitsplätzen ruft die Kritiker auf den Plan. Denn es sind die Mitarbeiter der Bank, denen Ackermann seinen Erfolg verdankt, auch wenn deren Zahl immer kleiner wird. dr

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