Meinung : Wiedervereinigt für drei Tage Von Christoph von Marschall

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Liegt es an der Seeluft? Nach einem Tag Normandie und drei Tagen gegenüberliegende Atlantikküste wirken Gerhard Schröder und George W. Bush wie aufgeputscht. Noch vor kurzem gaben sie sich eher widerwillig die Hand, jetzt begegnen sie sich auf das Herzlichste. Stolz wie Bolle wirkt der Kanzler, dass der Präsident ihn in Sachen Irakschulden und Modernisierung des Nahen Ostens so umwirbt. Und empfindet die Einladung zur Trauerfeier für Ronald Reagan als Ehre – den Mann, der einst in den Augen des ExJusovorsitzenden Schröder ein gefährlicher Hochrüster war. Der Kanzler sieht sich bestätigt, sein Versuch einer souveränen Außenpolitik, die sich auch mal gegen die frühere Schutzmacht richten darf, sei gut gegangen. Erleichtert ist er aber auch und will nicht mehr an fragwürdige Zitate aus seinem Wahlkampf erinnert werden.

Was an Schröder und Bush besonders ins Auge fällt, gilt generell für den Westen. Die Erinnerung an den D-Day, an all das Verbindende in der jüngeren Geschichte hat das Gefühl der Zusammengehörigkeit gestärkt, das durch den Irakstreit bedroht war. Nur Jacques Chirac hält sich etwas abseits, bleibt nicht zu Reagans Staatsbegräbnis.

Doch wie passt die Debatte um einen NatoEinsatz im Irak in diese Stimmung, den Amerika wünscht, den Frankreich und Deutschland aber angeblich ablehnen? Da muss man genau hinhören. Die Nato könne die US-Truppe nicht ersetzen, man wolle aber helfen, soweit es nicht um eigene Truppen gehe – und werde weitere Diskussionen nicht blockieren. Das schließt nichts von dem aus, was seit der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar besprochen wird. Amerika muss weiter die Hauptlast im Irak tragen, aber willige Alliierte könnten unter Natoflagge zum Beispiel den polnischen Sektor übernehmen, aus dem Spanien abgezogen ist.

G-8-Treffen waren mal Wirtschaftsgipfel. Ökonomische Themen spielten jetzt nur eine Nebenrolle. Den Ölpreis können die G 8 beklagen, aber kaum beeinflussen. Bei der Wachstumspolitik sind die Ausgangslage und die Ansätze zu unterschiedlich.

Auch Bush gibt sich euphorisch. Die Bilder von D-Day und G 8 sollen die Wende im Wahlkampf bringen. Der Präsident, umgeben von Verbündeten. Wenn Amerikas Wähler Europa so wichtig nehmen, ist das gut. Es sollte nur länger als drei Tage anhalten.

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