Willi Lemke, UN-Sportbeauftragter : "Ich will keine Politisierung des Sports"

Große Siege im Fußball hat Willi Lemke viele gefeiert, aber jetzt ist ihm ein ganz besonderer gelungen. Er hat gegen Pelé gewonnen. Lemke, zurzeit Innensenator in Bremen, und nicht die Fußball-Legende aus Brasilien wird neuer Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen für Sport.

Frank Hellmann

Diese Aufgabe hat sicher bis vor kurzem nicht zu Lemkes Karrierezielen gehört. Eigentlich hatte der SPD-Politiker Bürgermeister in Bremen werden wollen, doch 2005 verlor er in einer Abstimmung gegen Jens Böhrnsen. Nun wechselt er, nach Fürsprache der Bundesregierung, von Bremen in die Welt. Es ist ein Amt, das zunächst nichts verspricht, von seinem 450 000-Euro-Etat muss Lemke sechs Mitarbeiter in den Büros in Genf und New York und alle Reisekosten bezahlen. „Ich habe in meinem neuen Amt keine riesige Streitmacht hinter mir“, sagt er. Es kommt einfach darauf an, was Lemke daraus macht.

Der 61-Jährige schätzt sich selbst so ein: „Willi Lemke ist ein arbeitender Mensch, der konstruktive Lösungen umsetzt, Willi Lemke ist kein Konfliktmensch.“ Das stimmt so nicht ganz. Als Lemke in den 80er und 90er Jahren Manager des Bundesligaklubs Werder Bremen war, hat er gerne das Duell mit dem Dauerrivalen Bayern München angefeuert. Wir, die Armen aus dem Norden gegen die Reichen aus dem Süden. Und hat sich umso mehr gefreut, wenn die Armen trotzdem gewannen, zwei Meistertitel und drei DFB-Pokalsiege waren es in seiner Zeit und ein Europapokal.

Als UN-Mann wird sich Lemke nun jedoch um die wirklich Armen kümmern, denn nicht umsonst ist er für Sport und Entwicklung zuständig. „Warum sollen sich nicht Boris Becker oder Dirk Nowitzki in den Dienst der guten Sache stellen und ein Trainingslager für palästinensische Jugendliche veranstalten?“, fragt er. Seine Aufgabe sei, „viele kleine Mosaiksteine zusammenzusetzen“.

Damit meint er etwa, Geld für Entwicklungsprojekte einzuwerben. „Zurzeit macht der Sport nur ein Prozent der Entwicklungshilfe aus. Wenn ich das um 50 bis 100 Prozent steigere, könnte man mehr Schulhöfe mit Fußball- und Basketballplätzen ausrüsten.“ In seinem neuen Amt begegnen sich seine beiden Lieblingsthemen: Sport und Bildung. Acht Jahre war Lemke in Bremen Bildungssenator, ehe er 2007 ins Ressort für Inneres und Sport wechselte.

Lemke nimmt seine Arbeit in einer brisanten Phase auf. Die Olympischen Spiele in Peking und ihr möglicher Boykott wegen der Gewalt in Tibet stehen gerade über allem. Lemke ist gegen einen Boykott. „Wir müssen das Thema sehr differenziert behandeln“, sagt er, „für mich gehört dazu auch, nach Tibet zu reisen, um sich ein Bild von der Lage zu machen.“

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