Willy-Brandt-Airport : Dann lieber zum hohlen Klaus

Die Willy-Brandt-Stiftung erwägt, dem neuen Flughafen den Namen Willy Brandt zu nehmen. Unser Kolumnist Helmut Schümann schlägt alternativ vor, Berliner Ruinen nach Klaus Wowereit zu benennen.

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Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Karikatur: Tagesspiegel

Da der Mensch vergisst, wird er irgendwann auch diesen Schlamassel vergessen. Dann wird er abfliegen und landen in Berlin-Schönefeld und gar nicht mehr daran denken, dass er das schon viel früher hätte machen können, wenn nicht Pfuscher und Planungsdilettanten am Werk gewesen wären. Man glaubt das ja heute noch gar nicht, aber irgendwann, irgendwann wird auch dieser Flughafen fertig sein.

Und wenn dann alles gut gegangen ist, wird der Mensch sagen, dass er von „Willy Brandt“ abfliegt. Oder „auf Willy Brandt“ fliegt. Wenn alles gut geht. Derzeit stellen ein paar andere eifrige Menschen die Überlegung an, dem künftigen Flughafen den Namen des Altkanzlers wegzunehmen. Dass diese Personen der „Willy-Brandt-Stiftung“ angehören, macht die Sache nicht besser. Und auch nicht, dass sie es eigentlich gut meinen und nur aus Sorge um Brandts Ruf so denken. Als ob der Schaden nimmt, weil eine Handvoll Nachfolger bei Weitem nicht so können, wie Brandt konnte. Im Gegenteil, der Name strahlt umso heller, auch jetzt schon. Jetzt steht er da wie ein Zeichen, dass sich einige gewaltig abstrampeln müssen, um halbwegs an Willy Brandt, und sei es nur an seinen Airport, ranzukommen. Ehre, wem Ehre gebührt, auch jetzt schon, wo das Projekt eigentlich „Baustelle des Flughafens Berlin-Brandenburg ’Willy Brandt’“ heißen müsste.

Stattdessen könnte man natürlich und sinnvollerweise Überlegungen anstrengen, mit welchem Denkmal Klaus Wowereit zu ehren ist. Irgendein Gebäude, das dann irgendwann mal „Klaus-Wowereit-...“ heißen könnte. Stimmig zum Beispiel wäre die Umbenennung des Tacheles in „Klaus-Wowereit-Tacheles“, das Gebäude müsste dazu nur weiter so ruinös bleiben. Oder noch besser: die „Klaus-Wowereit-Gedächtniskirche“. Die heutige Gedächtniskirche nennt der Berliner ja angeblich „Hohler Zahn“, auch wenn das Zugezogene wahrscheinlich genauso wenig gehört haben wie die Bezeichnung „Telespargel“ für den Fernsehturm. Aber hohler Zahn ist gut. Nach Umbenennung in „Klaus-Wowereit-Gedächtniskirche“ könnte dann der imaginäre und gebürtige und kodderschnauzige Berliner bei einer Verabredung sagen, dass man sich beim „Hohlen Klaus am Wasserklops“ treffen könne. Und dann hat dieser Flughafen, wenn er denn fertig ist, dieser „Flughafen Berlin-Brandenburg ’Willy Brandt’“, doch auch noch etwas sehr Vergnügliches. Und niemand wird mehr vergessen, wer damals den ganzen Schlamassel zu verantworten hatte.

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