Windenergie : Dann surrt mal schön

Harald Martenstein protokolliert ein energiepolitisches Bürgergespräch zum Thema die Windenergie und der Bürger. Und über Gemeinwohl, Egoismus und Demokratie.

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Unser Autor Harald Martenstein.
Unser Autor Harald Martenstein.Foto: ddp

Danke für die Teilnahme an unserem energiepolitischen Bürgergespräch zum Thema: die Windenergie und der Bürger.

Gerne. Also, ich bin gegen Windenergie. Ganz und gar.

Darf ich nach den Gründen fragen?

Ich liebe die Schönheit. Deshalb hasse ich Windräder. Aus dem gleichen Grund hasse ich Sparkassenfilialen, gebrauchte Windeln und Gartenstühle aus Plastik.

Schon klar. Aber irgendwo muss der Strom ja herkommen, oder sind Sie etwa für Atomkraftwerke?

Natürlich nicht. Nur Deppen sind noch für die Atomkraftwerke. Vor mein Haus kommt trotzdem kein Windrad. Das garantiere ich. Und wenn ich es in die Luft sprengen muss, das verfluchte Windrad. Allein schon das Gesurre.

Und, wie soll der Strom dann hergestellt werden?

Das ist doch nicht mein Problem. Bin ich Jesus? Bin ich allwissend? Die Regierung soll sich was einfallen lassen. Wofür bezahle ich diese Leute!

So, wie Sie argumentieren …

Ich argumentiere nicht. Karl Lagerfeld sagt, ich diskutiere niemals. Ich denke lediglich nach. Denken macht weniger Krach. Keine Diskussion. Und kein Windrad.

Verzeihung, aber Sie sind wirklich ein Egoist.

Ja, freilich. Ich vertrete meine Interessen. Das ist mein Recht. Das ist Demokratie. Egoist, meinetwegen. Sind Sie etwa keiner? Hackt ruhig alle auf mir rum. Hauptsache, kein Gesurre.

Man muss doch aber an das Gemeinwohl denken. An unsere Kinder!

Hab ich den Staat verschuldet bis unter die Hutkrempe? Das müssen alles die Kinder bezahlen. Hab ich die Atomkraftwerke gebaut, mit Müll für Millionen Jahre? Bin ich eine Bank? Herrgott, ich hinterziehe nicht mal Steuern. Falls die anderen alle anfangen, an das Gemeinwohl zu denken, schließe ich mich ihnen eventuell an. Aber ich will nicht der Erste und Einzige sein, der ans Gemeinwohl denkt. Da bitte ich um Verständnis.

Gut. Verstanden. Dann gehen eben die Lichter aus.

Es hat doch immer geheißen, ohne Atomkraftwerke gehen die Lichter aus, oder? Jetzt kommen die also weg. Und jetzt heißt es, ohne Windräder gehen die Lichter aus. Ich habe keine Ahnung, ob das stimmt. Es wird viel gelogen. Jeden Tag. Fest steht, ich kann es mir auch im Dunkeln schön machen. Es gibt so viel Hässliches, was ich dann nicht mehr sehen muss. Vielleicht kaufe ich mir einen Generator für den Strom. Der brummt. Egal. Hauptsache, ich muss das verdammte Gesurre nicht hören.

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