Winfried Schäfer : „Alles ist offen“

Es gibt nur wenige Dinge, die er sich der Fußballtrainer nicht zutraut. Folgt er jetzt dem Ruf des Iran?

Axel Vornbäumen

Wenn ein Anruf käme, müsste man diskutieren …“, hat der Fußballtrainer Winfried Schäfer mal gesagt, und dann hinzugefügt: „… Deutschland liegt mir am Herzen“. Das Zitat stammt von Juli 2004, aus einer Zeit also, in der ganz Fußballdeutschland recht verkniffen Ausschau nach einer geeigneten Leitfigur für die eigene Nationalmannschaft hielt, mit der zwei Jahre später die WM im eigenen Land passabel über die Bühne gebracht werden sollte. Dass es ein „Sommermärchen“ werden würde, konnte da keiner ahnen. Winfried Schäfer, der es in seiner aktiven Zeit als Spieler von Borussia Mönchengladbach, den Offenbacher Kickers und dem Karlsruher SC nie in die Nationalmannschaft geschafft hatte, wäre damals gerne Bundestrainer geworden.

Schäfers Zitat vom Sommer ’04 zeigt vor allem eines: Es gibt nur wenige Dinge, die er sich nicht zutraut. Doch der Anruf kam nicht, Schäfer musste noch ein paar Monate in Kamerun verbringen, wo er mit seinen „Löwen“ 2002 überraschend Afrikameister geworden war. Es war ein Triumph, dem eine lange Durststrecke folgte, bis 2004 sein dortiges Engagement endete, nach einer 0:3-Testspielniederlage gegen Deutschland – sowie nach Querelen über angeblich ausstehende Gehaltszahlungen.

Dieser Tage hat das Telefon tatsächlich geklingelt, der Iran war in der Leitung – und alle Anzeichen deuten daraufhin, dass Schäfer vor allem stolz ist, die Namen anderer Weltenbummler verdrängen zu können. Er selbst gehört mittlerweile auch in die Kategorie dieser Trainertypen, die in der ersten Fußballwelt nur noch schwer vermittelbar sind, für einschlägige Exotenjobs aber gerne genommen werden. In Dubai brachte er es beispielsweise mit dem dortigen Klub Al Ahli im Mai 2006 zur Meisterschaft der Vereinigten Arabischen Emirate, war aber neun Monate später nach einer Niederlagenserie den Job auch wieder los. Die Zeit am Golf hält Schäfer nun für einen Vorteil. Angeblich hatte er von dort den iranischen Fußball gut im Blick, Gleiches gilt auch für seine Zwangspause, die ihm Gelegenheit gegeben habe, in der Ersten und Zweiten Bundesliga tätige iranische Nationalspieler unter die Lupe zu nehmen. Dass er als Fußballexperte auf der, nun ja „Achse des Bösen“ hantiert, ficht den kommunalpolitisch in Ettlingen engagierten Schäfer offenbar nicht an. Eine größere Rolle wird allemal spielen, ob es in Teheran vernünftige Stellplätze für den geliebten Porsche gibt. Axel Vornbäumen

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