Meinung : Wink mit der Guillotine

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Dem Lockruf des Geldes konnte sich Audi nicht entziehen. Billige Arbeitskräfte, die rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, arbeiten, das Grundstück fast geschenkt und vor allem: der Gewinn wird über viele Jahre nicht versteuert. Audi baut inzwischen alle Automotoren im ungarischen Györ, wo die Zustände so paradiesisch sind. Und nicht nur dort. Der Wegziehen der Firmen nach Mittel und Osteuropa erzürnt so manchen Westeuropäer. Nicolas Sarkozy, Finanzminister von Frankreich, hat jetzt mal die Wut rausgelassen. Wenn die neuen EU-Mitglieder mit Dumpingsteuern Investoren lockten, dann sollte man ihnen die EU-Fördermittel streichen, droht er in Paris. Und in Berlin wird der Kollege Hans Eichel wohlwollend genickt haben. Die unter großer Not leidenden Finanzminister im Westen ärgern sich über die frechen EU-Neulinge, die womöglich eigene Haushaltslöcher mit EU-Geldern stopfen und dann auch noch den Westeuropäern Ratschläge zur Haushaltskonsolidierung erteilen. Das bringt schon mal jemanden aus der Fassung. Doch die Sarkozys und Eichels sollten vorsichtig sein und keine Ressentiments schüren. Die Gemeinschaft lebt von der Solidarität und der politischen und ökonomischen Angleichung. Das funktioniert aber nur, wenn von West nach Ost gegeben wird. alf

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