Meinung : „Wir geben jetzt noch mehr Gas“

Sebastian Bickerich

Mit Studentenprotesten verhält es sich ja meist wie mit einem Soufflé, um das Wort des Hochschulprofessors Joschka Fischer (künftig Uni Princeton) zu benutzen: Machtvoll blähen sie sich auf gegen dräuende Studiengebühren und die nach wie vor erbärmliche Lage an den Hochschulen, halten Polizei und Anwohner der Demonstrationsrouten in Atem, zeigen einen chaotischen, aber nach einiger Zeit doch beachtlichen Organisationsgrad – um dann kleiner zu werden und schließlich zu verschwinden: In die Semesterferien.

Amin Benaissa weiß das, und deshalb kämpft der Asta-Vorsitzende der Frankfurter Goethe-Universität nicht nur gegen die Studiengebührpläne von Hessens Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU), sondern auch gegen die drohende Souffléisierung des Protests in den eigenen Reihen. Einiges hat er dabei schon erreicht. So sammelte der 26-jährige Volkswirtschafts- und Politikstudent als Geschäftsführer des Bündnisses gegen Studiengebühren gestern nach eigenen Angaben 6000 Teilnehmer zu einer Demo in Frankfurt – die Polizei sprach von 1800 Demonstranten. Am Mittwoch hatten bereits 60 Studenten das Wissenschaftsministerium besetzt, im Juni besetzten seine Mitstreiter eine Autobahn bei Frankfurt.

Benaissa, dessen Schwester Nadja es bei der Popband No Angels zu einiger Berühmtheit gebracht hat, hat keine Scheu vor den Medien. So kürte die „taz“ den Sohn eines Marokkaners unlängst gar zum „Gesicht der Studentenproteste“. Das sorgt zwar im links-basisdemokratischen Studentenmilieu gelegentlich für Anfeindungen, ist aber der Sache, um die es ihm geht, durchaus dienlich. Wirft es doch ein Schlaglicht auf nach wie vor unzureichend beantwortete Fragen um das künftig in sieben Ländern definitiv und wahrscheinlich auch in weiteren bald gebührenpflichtige Studium (nur Berlin und drei ostdeutsche Länder planen vorerst keine Gebühren): Kommen die Einnahmen aus den im Durchschnitt bei 500 Euro pro Semester liegenden Gebühren wirklich den Universitäten zugute oder bleiben sie, wie Benaissa am Beispiel Australiens und Österreichs nachweist, zu großen Teilen in der Kasse des jeweiligen Finanzministers?

Dass es überhaupt wieder eine Debatte gibt über den Sinn und die soziale Ausgestaltung von Studiengebühren, das hat Benaissa immerhin erreicht. Auch wenn ab 21. Juli wohl der Souffléeffekt eintreten wird. Dann beginnen die Semesterferien.

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