Meinung : „Wir haben die Situation …

Matthias Thibaut

… unter Kontrolle.“

Ian Blair, Chef von Scotland Yard, wie die Londoner Polizei oft genannt wird, hat jetzt zwei Aufgaben. Er muss weitere Terroranschläge verhindern und die Anschlagsserie der letzten Wochen aufklären – mit Unterstützung der 35 000 Beamten der Londoner Polizei. Die zweite Aufgabe ist fast genauso wichtig: beruhigend auf die Londoner einzuwirken, dass sie ihr Leben so normal wie möglich weiterführen. Auch dabei hat Blair Helfer – zum Beispiel seinen Namensvetter, Premier Tony Blair. Doch es ist der Polizist Blair, dem die Londoner zurzeit am meisten glauben.

„Wir werden in der ganzen Welt für unsere Antiterrorismuskapazitäten beneidet“, versicherte er BBC-Hörern, die wissen wollten, ob London eine sichere Olympiade 2012 garantieren könne. Das sagte Blair ausgerechnet am Morgen des 7. Juli, ein paar Stunden, bevor die Terroristen zuschlugen. Aber das ist nun in weiter Ferne.

Blair wollte einmal Schauspieler werden, damals, als er sich beim Studium in Oxford in der Drama-AG engagierte. Geblieben ist ihm das Wissen um die Wirkung einer besänftigenden Stimme, gerade in der größten Krise. Das frische und jugendliche Aussehen des einstigen Rotschopfs mag nun der Erscheinung eines oft etwas bleichen und grauhaarigen Krisenmanagers weichen. Doch wenn der heute 52-Jährige seine kurzen, knappen Erklärungen im Fernsehen abgibt, kann nichts seine Gelassenheit erschüttern.

Eigentlich sollte Blair die Londoner Polizei moderner machen und dafür sorgen, dass sie das Erscheinungsbild der Stadt besser reflektiert und mehr Schwarze, Muslime und Schwulen rekrutiert werden. Nun muss der „Bulle für Denker“ Scharfschützen auf die Straße schicken, die Menschen in den Kopf schießen, wenn sie glauben, dass es sich um Selbstmordattentäter handelt. Niemand weiß besser als Blair, was für ein Schock das für eine der letzten Polizeitruppen der Welt ist, die im Normalfall keine Waffe trägt.

Blair gehört auch zu denen, die eine Verschärfung der Antiterrorgesetzgebung fordern: „Wir versuchen, den Terror des 21. Jahrhunderts mit Gesetzen aus dem 19. Jahrhundert zu bekämpfen“, warnte er. Aber auch das ändert nichts daran, dass er der „ideale New Labour Bobby“ bleibt, wie man ihn nannte. An der Integration von Randgruppen in die Polizei und die Gesellschaft werde der Terror nichts ändern, sagt Blair. Im Gegenteil. Er glaubt, dass die Bomben in London Muslime und andere Briten sogar näher zusammenbringen.

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