Meinung : „Wir haben in Europa …“

Stephan-Andreas Casdorff

… gemeinsame Werte. So etwas wie Bestrafung von Ehebruch hat da nichts zu suchen.“

Rotes Tuch, das trägt sie gern. Und das ist sie auch für manche. Claudia Roth, Dramaturgin von Beruf, ab nächsten Sonnabend wieder Parteichefin der Grünen, hat schon mit einigen Auftritten Dramatisches hervorgerufen. Weil sie ja nicht locker lässt. Wie zum Beispiel beim Thema Einwanderungsgesetz: Gerhard Schröder schlug mit der Hand so heftig auf den Tisch, dass die Tassen klirrten; von Otto Schily in diesem Zusammenhang lieber gar nicht zu reden. Joschka Fischer, der Obergrüne, wurde auch sauer, denn in solchen Fällen will der Kanzler immer, dass er seine Leute zusammenstaucht.

Den anderen wärmt sie das Herz. Claudia Roth hat nämlich schon ein gutes Gefühl für die richtige Rede am richtigen Ort. Da ist sie ganz und gar nicht naiv. Ihre Art, freundlich, fröhlich, leidenschaftlich, ist authentisch. Das ist auf Parteitagen zu erleben, aber nicht nur dort, und es kommt nicht nur bei denen an, deren Herz links schlägt. Ja, Roth ist eine Linke, aber pragmatisch. Bei den Menschenrechtlern der Union genießt die Regierungsbeauftragte einen guten Ruf, bei vielen Konservativen außerdem. Wer das nicht glaubt, sollte zum Beispiel bei der Familie Schwarz-Schilling nachfragen. Was nicht weiter verwundern darf, denn so sehr sie sich als Linke fühlt, wertkonservativ ist Roth seit jeher. Übrigens in vielerlei Hinsicht: Sie trägt gerne gutes Tuch. Schönen Schmuck. Und die 49-Jährige geht nicht nur zu Rockkonzerten, aus alter Verbundenheit seit ihrer Zeit als Managerin von „Ton, Steine, Scherben“, sondern lässt sich auch mit ihrer Mutter auf dem Bayreuther Hügel in großer Robe sehen.

Demnächst soll Roth also wieder die Grünen führen, nach Angelika Beer, die ins Amt kam, weil es diesen Unvereinbarkeitsbeschluss gab: kein Mandat im Parlament und zugleich einen Posten an der Parteispitze. Das ist jetzt erlaubt. Was bleibt, ist die Doppelspitze, aber da hat sie genügend Erfahrung. Reinhard Bütikofer, der für die Realos an der Spitze steht, auch mit ihr. Als Bütikofer noch Politischer Geschäftsführer war, hat Roth ihn einmal ganz schön zurechtgestutzt. Doch werden sich die beiden, sie Schwäbin, er Kurpfälzer, schon verstehen.

Niemand zweifelt an ihrer Wahl. Sie selbst hat leise Zweifel, dass ihr Ergebnis wieder so hoch sein wird wie beim ersten Mal 2001. Damals wurde Claudia Roth mit 91,5 Prozent gewählt, wie es sonst bei Konservativen üblich ist. Nun, auf den Auftritt kommt es an.

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