Meinung : „Wir haben keine …

Rolf Obertreis

… andere Wahl.“

Carl-Peter Forster sitzt nicht mit am Verhandlungstisch. Trotzdem läuft ohne den Vizepräsidenten von General Motors Europe (GM) nichts, wenn in Rüsselsheim um die Umsetzung der knallharten Sanierungsvorgabe des weltgrößten Autokonzerns für die GM-Tochter Opel gerungen wird. 500 Millionen Euro müssen die elf GM-Werke in Europa einsparen, der dickste Batzen davon muss aus den vier deutschen Fabriken kommen. Laufen die Verhandlungen aus Sicht der rund 32 000 Beschäftigten schlecht, streicht GM in Deutschland rund 10 000 Stellen. Läuft es besser, können es deutlich weniger sein. „Die Zahl 10 000 ist kein Dogma“, sagt jedenfalls Carl- Peter Forster. Auch wenn der 50-jährige ehemalige BMW-Produktionsvorstand Beweglichkeit zeigt, ist er für die Beschäftigten innerhalb weniger Monate vom Hoffnungsträger zum Buhmann mutiert. Im Juni war Forster vom Chefsessel in Rüsselsheim nach Zürich gewechselt, zum zweiten Mann bei GM Europe hinter Fritz Henderson. Heute leitet er auch den Opel- Aufsichtsrat und ist damit mehr als nur der heimliche Opel-Chef.

Als der groß gewachsene Manager im April 2001 zu Opel kam, verbanden sich damit große Erwartungen. Der studierte Volkswirt und Luftfahrtingenieur, der seine Laufbahn als McKinsey-Berater begann, kennt die Befindlichkeiten des deutschen Automarktes, gilt als gradlinig und offen. Nach mehreren Amerikanern vor ihm, die oft nicht einmal der deutschen Sprache mächtig waren, schaffte Forster es zunächst, sich vom Einfluss des GM-Managements abzunabeln. „Was Opel ist, bestimmen wir hier“, sagte der dreifache Familienvater im Februar 2002.

Forster wusste zwar, dass der Job nicht leicht würde. Trotzdem hat er die Aufgabe unterschätzt. Sein Sanierungsprogramm Olympia mit einem Abbau von 2500 Stellen erwies sich als unzureichend. „Nächstes Jahr macht Opel wieder Gewinn“, behauptete er noch im Dezember 2003. Das hat er nicht geschafft.

In Rüsselsheim und in Bochum zählt er heute wie alle anderen GM-Oberen denn auch zu den Managern, die für das Fiasko bei Opel verantwortlich sind. Forster weiß das. „Wir haben keine andere Wahl“, sagt er und wirkt dabei nicht mehr so selbstsicher wie früher. Sein Wechsel nach Zürich galt den einen als Aufstieg, den anderen als Rettung vor dem Absturz. Ob Forster noch zum erfolgreichen Sanierer für Opel wird, ist zweifelhaft. Wenn doch, dann zu einem hohen Preis – vor allem für die Beschäftigten.

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