Meinung : „Wir reden hier eigentlich von Peanuts“

Rolf Obertreis

Kaum ein Zitat eines Topmanagers hält sich ähnlich hartnäckig wie jenes von Hilmar Kopper. Am 21. April 1994 fielen die denkwürdigen Worte. Offene Handwerkerrechnungen in Höhe von 50 Millionen Mark bezeichnete der damalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank als Peanuts. Für sein Haus sei die Begleichung solcher Rechnungen aus der Milliardenpleite des Immobilienunternehmers Jürgen Schneider, die damals die Bankenwelt erschütterte, kein Problem. Kopper hatte das Richtige sagen wollen, aber wieder einmal vorschnell geplappert und den falschen Ton getroffen.

Kopper stand immer im Rampenlicht, als Vorstandssprecher und Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank, als Aufsichtsratschef von Daimler-Chrysler oder als Beauftragter der Bundesregierungen Kohl und Schröder für Auslandsinvestitionen in Deutschland. Der 70-jährige gebürtige Westpreuße, der Ende 1989 als Nachfolger des von der RAF ermordeten Alfred Herrhausen an die Spitze der Deutschen Bank rückte, hat nicht nur die internationale Ausrichtung des Instituts und den Ausbau des Investmentbankings vorangetrieben und die Übernahme von Chrysler durch Daimler-Benz maßgeblich befördert. Auch an anderen Stellschrauben der deutschen Wirtschaft hat er immer wieder gedreht. Wer viel bewegt, macht auch Fehler – das hat der großgewachsene Manager nie verhehlt. Zugegeben hat er Fehltritte allerdings selten.

Als 19-Jähriger kam Kopper zur Deutschen Bank – und blieb bis Mai 2002. Heute ist er „nur“ noch Aufsichtsratschef von Daimler-Chrysler. Bis Mitte 2007, dann ist endgültig Schluss. Kopper hat den heutigen Vorstandssprecher Josef Ackermann Mitte der 90er zur Deutschen Bank geholt. Das Verhältnis der beiden Manager gilt als ausgezeichnet. Dass Ackermann das Engagement der Deutschen Bank an Daimler- Chrysler auf mittlerweile nur noch 4,4 Prozent reduziert hat, ändert daran nichts. Ob Kopper im Sommer Ackermann wirklich vorab unerlaubt vom vorzeitigen Rückzug des Daimler-Chefs erzählt hat ist offen.

Kopper wird sich mächtig ärgern über den neuerlichen Wirbel. Wieder sieht er sich Häme gegenüber, für die er kein Verständnis hat. Andererseits verbirgt sich hinter der vermeintlich kalten Fassade ein humorvoller Mensch, der mit seiner zweiten Frau Brigitte Seebacher-Brandt, der Witwe des früheren Kanzlers und SPD-Chefs, im Westerwald heimisch geworden ist. Nicht jeder gescholtene Topmanager hätte sich jedenfalls vor dem Hintergrund seines unsäglichen Peanuts-Vergleichs für eine Werbeanzeige inmitten von Güterwagen voller Erdnüsse ablichten lassen.

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