Meinung : Wir sind wieder Frosch

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Frank Schirrmacher schreibt in der „FAZ“ über die 131. Minute des WM-Spiels gegen Italien, den Auftritt der deutschen Bundeskanzlein:

Über das Spielfeld, quer über den grünen Rasen, schritt im grünen Jackett Angela Merkel. Es war kein Weg, es war eine Annektion, die Rückeroberung des Spielfeldes, das die Politik allzu lange den anderen überlassen hatte. Sicherheitsbeamte hinter ihr. Wir hatten schon ganz vergessen, wie das ist, wenn man im Fernsehen immer nur Menschen sieht, hinter denen sich sonnenbebrillte Waffenträger versammeln. Und eingerahmt war sie von Horst Köhler einerseits und dem Regierungssprecher Wilhelm andererseits. Es war furchtbar, es war die wirkliche Niederlage.

Ein völlig überflüssiger, ein von niemandem gewollter, ein übrigens voreiliger Besuch von Bundeskanzlerin und Bundespräsident in der Umkleidekabine. Was sollte das eigentlich? Wem wollte man anmaßenderweise Trost spenden? Uns nicht. Die Frau in dem grünen Jackett hatte gleichsam am Spielfeldrand allen Ernstes von einem „Durchbruch in der Gesundheitsreform“ geredet, was ungefähr so wäre, wie wenn Klinsmann nach dem Spiel gesagt hätte, es sei egal, ob man gewonnen oder verloren habe, wichtig sei, dass man sich mit den Italienern auf ein Ergebnis geeinigt habe.

Dieser Anmarsch des hohen Paars auf dem Spielfeld – das wirkte wie eine Drohung. Die beiden Repräsentanten des Staates, die wie wenig andere, wie wir jetzt alle sehen, für einen folgenlosen, rein verbalen Reformprotestantismus stehen, verkünden als diejenigen, die als erste Politiker ihren Fuß auf das Fußballfeld setzen, eine ganz andere Botschaft: Schluss mit dem Prinzen und Prinzessinnenspiel. Wir sind wieder Frosch.

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