Meinung : „Wir sollten ihn erledigen in einer Geheimaktion“

Christoph von Marschall

Pat Robertson ist eine Medienmacht. Eine Million Menschen sieht täglich seine Sendung „700 Club“ auf Amerikas christlichem Sender NCB. Sein Aufruf, Venezuelas Präsidenten Hugo Chavez umzubringen, fand aber auch deshalb breite Beachtung, weil Verteidigungsminister Donald Rumsfeld Chavez letzte Woche vorgeworfen hatte, er destabilisiere zusammen mit Fidel Castro Lateinamerikas junge Demokratien. Robertson mischte alten Anti-Kommunismus mit neuem Anti-Islamismus: Chavez bereite den Weg für „kommunistische Infiltration und Muslim-Terroristen“. Ein Attentäter sei billiger als die 200 Milliarden Dollar, die eine weitere Militärintervention kosten würde.

Die Idee eines US-Attentats auf Chavez ist freilich nicht zuerst in Amerika formuliert worden. Chavez selbst macht mit dem Vorwurf regelmäßig Wahlkampf. Er hat sich als schärfster Bush-Kritiker in der Region profiliert, die US-Außenpolitik sieht in ihm einen „Jünger Castros“. Pikanterweise ist Venezuela, der fünfgrößte Ölproduzent der Erde, einer der wichtigsten Energielieferanten Amerikas.

Die US-Regierung beeilte sich, Attentatspläne zu dementieren. „Völlig aus der Luft gegriffen“, sagt Außenamtssprecher Sean McCormack. „So etwas tun wir nicht, das wäre gegen die Gesetze“, betont Rumsfeld und tut den Aufruf des 75-Jährigen als „Privatmeinung“ ab. Das Weiße Haus allerdings schweigt. In den Medien findet Robertson keine Unterstützung.

1976 hat Präsident Ford politische Attentate offiziell verboten, nachdem der Senat die Verwicklung Amerikas in Umsturzversuche untersucht hatte: in Kongo, der Dominikanischen Republik, Südvietnam, Kuba und Chile. 1986 aber ließ Ronald Reagan nach dem Berliner „La Belle“-Anschlag auf GIs Wohnhäuser des libyschen Staatschefs Gaddafi bombardieren. 1990 gab Bill Clinton der CIA den Auftrag, Osama bin Laden zu ermorden. Den Irakkrieg begann George W. Bush mit einem Luftangriff auf ein Gebäude in Bagdad, in dem Saddam Hussein und seine Söhne vermutet wurden.

Robertson hat seit dem Kauf eines bankrotten TV-Senders 1960 ein christliches Medienimperium samt eigener Universität aufgebaut. Er sichert Bush die Stimmen der religiösen Rechten. In der Kampagne zur Wiederwahl 2004 bereitete er ihm aber Probleme: mit der Behauptung, Bush habe ihm versprochen, im Irak werde es keine amerikanischen Opfer geben.

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