Meinung : „Wir Spanier haben …

Albrecht Meier

… europäische Geschichte geschrieben.“

Mission erfüllt – das mag sich Spaniens Regierungschef José Zapatero gedacht haben, als am Sonntagabend nach dem Referendum über die EU-Verfassung die ersten Prognosen einliefen. Der 44-Jährige hatte seinem Land die erste der etwa 10 Volksabstimmungen in der EU verordnet. Das ist wie beim Elfmeterschießen: Wenn der erste Schütze nicht trifft, steigt der Stress für den Rest der Mannschaft.

Die Spanier haben mit überwältigender Mehrheit für die EU-Verfassung gestimmt. Zapatero hat seinen Elfmeter verwandelt. Damit dokumentiert der Sozialist die europapolitische Kehrtwende in Spanien. Noch vor einem Jahr hieß Spaniens Ministerpräsident José Maria Aznar, und der führte einen erbitterten Streit um das Gewicht seines Landes in Europa. Nach dem Machtwechsel im vergangenen Frühjahr beendete Zapatero die Blockade; die neue pro-europäische Achse Schröder-Chirac-Zapatero war geboren. Als Frankreichs bürgerlicher Präsident während der Kampagne für die EU-Verfassung in Barcelona vorbeischaute, musste sogar die Sozialistische Partei in den Hintergrund rücken: Zapatero ließ nicht die traditionellen roten Rosen verteilen, sondern gelbe.

Mag sein, dass die niedrige Beteiligung am Referendum das Signal aus Madrid etwas schwächt. Aber die Botschaft ist doch deutlich: Die EU ist der Ratifizierung der EU-Verfassung einen Schritt näher gekommen.

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