Meinung : „Wir verzichteten …

Charles A. Landsmann

Ariel Sharon heißt der große Sieger dieser letzten Tage; Oppositionsführer Josef Lapid der noch größere Verlierer. Obwohl beide Politiker die gleichen Ziele verfolgen – eine Volksabstimmung verhindern, die Regierung vor dem Sturz retten, um Rückzug und Siedlungsräumungen zu ermöglichen. Und sie erreichten sie gemeinsam. Dies aber nur, weil „Tommy“ Lapid (74) „Arik“ Sharon (77) zur Hilfe eilte.

Genau genommen saßen die beiden politischen und körperlichen Schwergewichte am letzten Samstagabend auf Scharons Großfarm am Rande der Negevwüste nach einer opulenten Mahlzeit vor dem Fernseher, schauten sich das WM-Ausscheidungsspiel Israel-Irland an, regten sich über das frühe Tor der Gäste auf – und einigten sich auf 700 Millionen Schekel (etwa 125 Mio. Euro) für Kulturinstitutionen und Universitäten als Gegenleistung für die Zustimmung von Lapids Schinui-Partei zum Budget. Die Übereinkunft wurde unterschrieben, noch bevor Israel in letzter Minute der Ausgleich gelang. Zum Abschied warnte Scharon seinen Gast vor der Kritik, die auf ihn niederprasseln werde.

Er sollte Recht behalten. Nicht zuletzt, weil Lapid sich wieder einmal als dünnhäutiger Egomane erwies, dessen „großes Maul“ (so das Massenblatt Jediot Achronot) und cholerisches Temperament dafür sorgten, dass die Kritik vor allem seiner Person galt. Vor wenigen Monaten noch waren Justizminister Lapid und seine antireligiöse Schinui zur Opposition übergetreten, weil Sharon den Ultrareligiösen 290 Millionen Schekel für die Unterstützung seines Gaza-Rückzugplans zugesichert hatte. Nun stimmt Schinui exakt diesem Budgetvorschlag zu, in dem die 290 Millionen aufgeführt sind – versüßt um die 700 Millionen, die Scharon Lapid nun versprochen hat.

Lapids Glaubwürdigkeit – ohnehin ein rares Gut in der israelischen Politik – ist damit endgültig dahin. Der ehemalige Star-Journalist, der auch Reiseführerautor, Schachverbandspräsident und Gatte der Bestsellerautorin Schulamit Lapid ist, muss sich von seinen ehemaligen Kollegen zudem vorrechnen lassen, wie billig er Partei und Ideologie verkauft habe: Die fünf ultrareligiösen Thora-Abgeordneten hätten 290 Millionen bekommen ohne bindende Verpflichtungen ihrerseits; er habe für die 15 Schinui-Stimmen in der Knesset nur 700 Millionen erhalten – „und das nicht einmal auf dem Papier“– und müsse nun zu allem Ja und Amen sagen.

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