Meinung : „Wir werden den Atomvertrag nicht verlassen“

Andrea Nüsse

Mit diesem Satz beschwört der Leiter der iranischen Atomenergiebehörde und Vizepräsident Irans, Gholamresa Aghasadeh, die friedlichen Absichten seines Landes in der Atomfrage.  Doch der Westen glaubt Iran nicht und fordert die Einstellung der iranischen Forschungsprogramme. Um einen Ausweg aus dieser Sackgasse zu finden, hat Aghasadeh mit seinem russischen Amtskollegen nun einen Vermittlungsvorschlag besprochen. Doch während Russland ebenso wie die USA und Westeuropa darauf drängen, dass  Iran damit seine eigene Forschung zur Urananreicherung einstellt, will Iran weiter nicht eindeutig auf dieses Recht verzichten.

Aghasadeh sieht es wie die meisten Iraner als gutes Recht an, Atomenergie zu friedlichen Zwecken zu nutzen und die entsprechende Forschung fortzusetzen. Dabei ist er kein Hardliner. Aghasadeh wurde 1997 vom damaligen Präsidenten Mohammed Chatami zum Leiter der iranischen Atomenergiebehörde ernannt. Beobachter hatten nicht damit gerechnet, dass Aghasadeh unter Mahmud Ahmadinedschad weiter im Amt bleiben würde. Denn Aghasadeh hatte im Wahlkampf dessen Rivalen, Ex-Präsident Haschemi Rafsandschani, unterstützt. Doch der Außenseiter Ahmadinedschad mit den extremistischen Ansichten hielt an dem erfahrenen Amtsinhaber fest –  in der Atomfrage scheint es keine Meinungsverschiedenheiten zu geben.

Der 58-jährige Aghasadeh vertritt die These, dass der Westen sich nur flexibel zeigen werde, wenn Iran hart bleibt. Der Leiter der Atomenergiebehörde hatte gleich nach seiner Ernennung 1997 mit dem Ausbau des iranischen Atomenergieprogramms begonnen. Er ist der Überzeugung, dass Iran angesichts des Bevölkerungswachstums alternative Energiequellen zu seinem Erdöl auftun müsse. Außerdem brauche Iran das Öl zum Export, es ist seine wichtigste Devisenquelle. Aghasadeh war von 1985 bis 1997 Erdölminister des OPEC-Landes.

Wie die am Wochenende etwas vorschnell verkündete „prinzipielle Einigung“ mit den Russen über gemeinsame Urananreicherung im Detail aussieht, ist noch unklar. Und es kann gut sein, dass Aghasadeh dies auch im Unklaren lassen möchte, bis am 6. März die Atomenergiebehörde in Wien zu einer neuen Debatte über Iran zusammenkommt, um Zeit zu gewinnen. Denn letztendlich sind die Ansichten beider Seiten in dieser Frage unvereinbar. Das weiß auch der erfahrene Fuchs Aghasadeh.

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