Meinung : „Wir werden die Operation…

Christoph von Marschall

...fortsetzen, bis wir unsere Ziele erreichen.“

Israels Regierungschef wird so ziemlich alles zugetraut – je nach Standpunkt. Die einen halten ihn für einen herzlosen Mann, der blind auf militärische Stärke setzt, ohne dabei ein strategisches Ziel vor Augen zu haben. Und der nun auch die Road Map, den vereinbarten Weg zu einem Nahostfrieden vom Tisch wischt. Die anderen glauben, dass die Härte vor allem Mittel zum Zweck ist, dass er die jüngste Offensive im Gaza-Streifen in wenigen Tagen beenden wird, womöglich mit ägyptischer Vermittlung – und sie raten dazu, bei seinen oft martialisch klingenden Ankündigungen zu unterscheiden zwischen taktischen Äußerungen, die auf Israels Innenpolitik zielen, und langfristigen strategischen Aussagen.

Dreieinhalb Jahre ist Ariel Scharon nun bereits Ministerpräsident. Aber welche der beiden Deutungen zutrifft, ist dabei nicht viel klarer geworden. Beide Lager sehen sich bestätigt. Scharon, sagen seine Verteidiger, ist – nach Begin, der den Sinai zurückgab – der zweite Premier, der glaubwürdige Anstalten macht, besetzte Gebiete endgültig zu räumen. Da er dabei große Teile seiner Likud-Partei, aber auch der Bürger gegen sich hat, musste er nach dem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen, bei dem zwei kleine Mädchen starben, gegen solche Terrorangriffe vorgehen. Sicherheit ist das Wichtigste, was Israels Bürger von ihrer Regierung erwarten.

Die Kritiker zweifeln am Friedenswillen des 76-Jährigen. Sie verweisen auf die düstere Rolle des damaligen Generals beim Massaker in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila durch verbündete libanesische Milizen. Auf Scharons provozierenden Besuch auf dem Tempelberg 2000, der die – freilich längst vorbereitete – Al-Aksa-Intifada auslöste. Oder auf die Armeeeinsätze in den besetzten Gebieten unter seiner Regierung, bei denen kaum noch Rücksicht auf Zivilisten genommen wurde und viele Kinder ums Leben kamen. In ihren Augen treibt Scharon ein doppeltes Spiel, zerstört die Institutionen der palästinensischen Selbstverwaltung, um ihr gleichzeitig vorzuwerfen, nichts gegen den Terror zu tun. Er wolle ein größeres Israel mit Teilen des besetzten Westjordanlands.

Scharon ist geprägt durch seine Erfolge als Militär – so wie Arafat durch seine Rolle als ewiger Revolutionär. Den Beweis, dass er nicht nur Überlebenstaktiker, sondern Stratege, ja Staatsmann sein kann, hat er bis heute nicht geliefert. Gut möglich, er verliert die Macht, ehe das Rätsel gelöst ist.

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