Meinung : „Wir werden unerbittlich sein“

Hans-Hagen Bremer

Er hat keine der Grandes Ecoles besucht, der renommierten Hochschulen wie der Ecole Polytechnique, dem Institut de Sciences Politiques oder der Ecole Nationale d’Administration, in denen Frankreichs Eliten herangezogen werden. Doch mit seinem Wirtschaftsdiplom von der Universität Paris-Dauphine gehört Arnaud Lagardère gleichwohl zu den Zirkeln, in denen sich die führenden Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Finanzwelt der französischen Hauptstadt zu treffen pflegen. Als Präsident der Rüstungs- und Medienholding gleichen Namens hat sein Wort dort Gewicht. Neben dem französischen Staat mit 15 Prozent ist die Lagardère-Gruppe mit 7,5 Prozent am Kapital des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS beteiligt. Mit dem Deutschen Manfred Bischoff ist Lagardère Kopräsident des Konzerns, der durch die Schwierigkeiten seiner Tochter Airbus ins Schlingern geraten ist.

Da fügt es sich bestens, dass Lagardère Finanzminister Thierry Breton als den Repräsentanten des staatlichen EADS-Aktionärs zu seinen persönlichen Freunden zählt. Und wenn er sagt, „wir werden bei der Verteidigung der französischen Interessen bei EADS unnachgiebig sein“, dann kann man davon ausgehen, dass er dafür auch Rückhalt von staatlicher Seite hat.

Arnaud Lagardère war 2003 nach dem Tod seines Vaters Jean-Luc an die Spitze der Holding getreten. Seine Karriere hat der heute 46-Jährige in den Filialen der Unternehmensgruppe angefangen. Nach einem USA-Aufenthalt rückte er in Führungspositionen bei den Medienunternehmen der Gruppe auf. Dem Ausbau dieses Bereichs, der heute nach Time Warner und Bertelsmann zu den Großen der Branche zählt, gehört seither sein Hauptaugenmerk, während er auf lange Sicht einen Ausstieg aus EADS in Aussicht stellte.

Der sollte erst nach dem Erfolg des Airbus A 380 erfolgen. Dennoch trennte er sich im Frühjahr 2006 von der Hälfte seines EADS-Anteils. Das war kurz vor Bekanntwerden des Desasters mit dem Großraumflieger und dem Kurssturz der EADS-Aktie. Für die Verluste kam der französische Steuerzahler auf. Auf Anweisung des Wirtschaftsministeriums hatte eine staatliche Bank die Papiere übernommen. Vorwürfe der Ausnutzung von Insiderwissen konterte Lagardère mit den Worten: „Ich habe die Wahl, als unehrlich zu gelten oder als Inkompetenter, der nicht weiß, was in seinem Unternehmen passiert – ich nehme Letzteres auf mich.“

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