Meinung : „Wir wissen, es gibt diese Schweinereien“

Jan Dirk Herbermann

Dick Marty liebt das deftige Wort. Besonders in seiner neuen Rolle als Sonderermittler des Europarates zur CIA-Affäre legt der Schweizer Parlamentarier los: „Es gibt Länder, die machen für die USA die Drecksarbeit.“ Und: „Wir wissen, dass die Amerikaner gezielt Leute verschleppt haben in Länder, wo gefoltert wird.“ Doch bislang schaffte es der Ex-Mafiajäger nicht, handfeste Beweise gegen die USA und europäische Regierungen zu präsentieren. Noch spricht der 61-Jährige von einem „Bündel von Indizien“. Die legte er in einem Zwischenbericht vor. Sofort nahm Washington den unbotmäßigen Eidgenossen ins Visier: „Alte Berichte in neuer Verpackung … nichts Neues“, hieß es aus dem US-Außenministerium.

Früher umgarnten die Amerikaner den Schweizer: 1987 ehrte das US-Justizministerium den damaligen Staatsanwalt des italienischsprachigen Kantons Tessin für seine Erfolge gegen das organisierte Verbrechen. Marty brachte Rauschgiftbosse zur Strecke, bekämpfte die Geldwäscherei und nutzte dabei unkonventionelle Mittel: das Aufspüren von Drogengeldern, den Einsatz von V-Leuten. Dennoch, Marty respektierte als Staatsanwalt immer die rechtlichen Grenzen seines Amtes.

Vielleicht erwarb Marty seinen Glauben an die Gesetze in frühen Jahren. In einfachen Verhältnissen aufgewachsen konnte er sich nur auf sich selbst und Gleichberechtigung aller Schweizer Bürger verlassen. Sein Studium der Juristerei absolvierte er an der französischsprachigen Universität Neuenburg. In Deutschland vertiefte er seine Kenntnisse: Von 1972 bis 1975 wirkte er am Freiburger Max- Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht.

Nach den turbulenten Jahren als Kriminellenjäger wechselte Marty in die Regierung des Tessins, ließ sich später als Ständerat in das Schweizer Parlament wählen. Auch in der hausbackenen Berner Volksvertretung machte der Linksliberale von sich reden: So sprach er sich für die aktive Sterbehilfe und die Legalisierung des Cannabiskonsums aus. Seit 1998 sitzt der Vater dreier Töchter auch im Europarat. Marty-Kenner aus Bern bestätigen, dass das Organ, das die Menschenrechte auf dem alten Kontinent hütet, mit dessen Berufung zum Ermittler in der CIA-Affäre die richtige Wahl traf. Allerdings verfügt der Teilzeitfahnder in Sachen CIA nur über wenige Mitarbeiter – und er darf keine Zwangsmittel einsetzen. Marty wird wohl noch tiefer in die dunkle Welt der Geheimdienste hinabsteigen müssen, um harte Beweise gegen die Amerikaner zu finden.

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