Meinung : „Wir wollen das Kabinett verlassen“

Charles A. Landsmann

Amir Peretz ist die israelische Angela Merkel: Mit dieser Behauptung versuchte der Wahlkampfstab des israelischen Gewerkschaftsbosses Zweifel an dessen Führungsfähigkeiten zu zerstreuen. Er habe zwar keine Erfahrung als Minister, doch diese gingen auch der künftigen Bundeskanzlerin ab – was nicht stimmt.

Auch sind sie nicht gleich alt: „Macht mich nicht jünger als ich bin – ich werde 54“, ruft Peretz. Das ist fast schon ein Baby-Alter in Israels Greisen-Oligarchie mit den geschlagenen Gegenkandidaten Schimon Peres (82) und Benjamin Ben Elieser (70) sowie Ministerpräsident Ariel Scharon (77).

Und doch hat der Vergleich mit Merkel einiges für sich. Denn was den Deutschen der Osten, das ist in Israel der Süden mit seinen so genannten Entwicklungsstädten. In einer davon lebt Peretz noch heute. Und sowohl er als auch Merkel schafften einen erstaunlichen Aufstieg – indem sie sich von ihren wichtigsten Förderern (Kohl beziehungsweise Peres) trennten und sich gar erfolgreich gegen diese stellten. Einen „verantwortungslosen Extremisten“ schimpften populistische Likud-Politiker den neugewählten Arbeitsparteichef. Er hänge einem „sozialistischen, ja kommunistischen Traum“ nach, verunglimpfte ihn Scharons Hof-Schreiber Uri Dan. Nur weil Peretz gegen die neoliberale Wirtschaftspolitik der Regierung und die „Deregulierung zugunsten der Reichen, die nur noch reicher werden“ ankämpft und dagegen einen erfolgreichen Generalstreik organisiert hatte. Peretz’ klassenkämpferische Antwort nach seinem Wahlsieg: „Freier Markt ja, aber keine freie Marktwirtschaft, welche Arbeitssklaven produziert“.

Im Friedenslager befand er sich immer schon: unter Jitzchak Rabin und Schimon Peres, den sie nach nun elf Wahlniederlagen (bei nur drei Siegen) den „politischen Hiob“ nennen. Peretz’ Credo ähnelt dem Populismus des legendären Likud-Ministerpräsidenten Menachem Begin: „Der Frieden bringt die Wirtschaft zum blühen; die Wirtschaft dient dem Menschen; dies ergibt einen umfassenden Kreis des Lebens, den wir anstreben müssen.“

Helmut Kohl bezeichnete sich bei seinem ersten Besuch in Israel einst als „der Enkel und der Erbe Adenauers“. Amir Peretz ist da demütiger: „Ich bin einer der Schüler Jitzchak Rabins.“ Weshalb er denn auch an Rabins Grab am Morgen nach dem Wahlsieg schwor, dessen Politik weiterzuführen: „Jitzchak ich weiß, dass du stolz auf mich bist.“

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