Wirtschaft im Aufschwung : Fehlende Früchte

Schön sind die Zeiten, in denen Politiker das Hohelied auf den deutschen Aufschwung singen können: auf die weltweit begehrten Produkte, die Innovationen, die sprudelnden Steuern, die sinkende Arbeitslosigkeit. Rekorde und Jubelnachrichten überall – nur über ein Thema herrscht verstohlenes Schweigen: Den Arbeitnehmern bringt das ungewohnt kräftige Wirtschaftswachstum wenig bis gar nichts. Zwar zahlen ein paar Großkonzerne, die sich vor Aufträgen kaum retten können, ihren Belegschaften ordentliche Prämien. Doch bei der breiten Mehrheit kommt der Aufschwung nicht an. Die Tariflöhne dürften in diesem Jahr allenfalls um gut zwei Prozent zulegen und die rasant steigenden Preise zehren dieses Mini-Plus aber wieder auf. Bei knapp zweieinhalb Prozent liegt die Inflationsrate derzeit, angesichts der knappen Rohstoffe wird es dabei nicht bleiben. Schon reagieren die Konsumenten in Umfragen verstimmt, weil sie sich um die Früchte ihrer Arbeit gebracht sehen. Womöglich kann die Regierung das Thema Steuersenkung doch noch nicht abhaken, denn dass die Gewerkschaften plötzlich eine Protestwelle lostreten und den Anteil der Beschäftigten am Aufschwung einfordern, ist so wahrscheinlich wie Schnee im Mai. brö

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