Wirtschaftsförderung in Berlin : Die Senatorin macht es richtig

Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz wurde bislang eher kritisch beäugt. Nun will sie die beiden wichtigsten Einrichtungen der Wirtschaftsförderung fusionieren. Eine gute Entscheidung.

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Geld und Wirtschaft, vielleicht bald eine noch bessere Verbindung? Sybille von Obernitz will, dass die wichtigsten Einrichtungen der Berliner Wirtschaftsförderung fusionieren.
Geld und Wirtschaft, vielleicht bald eine noch bessere Verbindung? Sybille von Obernitz will, dass die wichtigsten Einrichtungen...Foto: dpa

Es muss ja nicht alles schlecht sein, was die Berliner IHK vorschlägt. Seit Jahren reklamiert Kammerpräsident Eric Schweitzer eine Fusion der beiden wichtigsten Einrichtungen der Wirtschaftsförderung, Berlin Partner und Technologiestiftung. Jetzt wird der Ruf erhört. Die frühere Kammermitarbeiterin Sybille von Obernitz, inzwischen im Amt der Wirtschaftssenatorin, startet den Fusionsprozess, und Schweitzer freut sich über die „wegweisende Entscheidung für den Wirtschaftsstandort Berlin“. Ist das wirklich so? Oder führt das Zusammengehen nicht vielmehr zur zähen Selbstbeschäftigung der Beteiligten, die sich über Jahre finden müssen?

Beides trifft zu. Als Mitte des letzten Jahrzehnts die landeseigene Wirtschaftsfördergesellschaft mit der Außenwirtschaftsförderung der IHK und den privatwirtschaftlichen Marketingpartnern zusammengeführt wurden, war das ein mühsames Unterfangen – und trotzdem richtig: Höhere Effizienz, Bündelung von Ressourcen und einen besseren Service für Firmen, die Leistungen von einer Institution bekommen. Die Bildung der Berlin Partner zuzüglich der späteren Ergänzung durch den Unternehmensservice für die ansässigen Firmen gehört zu den größten Leistungen von Harald Wolf, des Obernitz-Vorgängers von den Linken. Der nächste Schritt war fällig, und die forsche Senatorin geht ihn früher als erwartet.

Dabei sind die Klagen über die mangelhafte Verknüpfung von Wirtschaft und Wissenschaft in Berlin so alt wie der Strukturwandel nach der Wende. Die Technologiestiftung befasst sich mit Innovationsförderung und Technologietransfers. Auf diesem weiten Feld gibt es viel zu tun, und deshalb kann die Zusammenarbeit mit den anderen Wirtschaftsförderern gar nicht eng genug sein. Wolf wollte auch fusionieren, Obernitz macht es jetzt und hat sogar schon einen Namen für die neue Organisation: „Berlin Partner für Forschung und Innovation“. Damit bringt sie ihre eigene Linie auf den Begriff: Berlin als innovativen Wirtschaftsstandort profilieren. Und sie hat dafür den besten Helfer gewonnen, der in der Stadt zu kriegen ist, Günter Stock. Der langjährige Schering-Vorstand ist ein Hansdampf in der Gesundheitswirtschaft und als Aufsichtsratschef der Technologiestiftung erstklassig geeignet, Fusionsängste zu überwinden. So sollte es klappen. Und die Senatorin ihren ersten Erfolg feiern können.

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