Wirtschaftsminister Michael Glos : Schlechte Zeit, schlechter Grund

Mitten in der schlimmsten Wirtschaftskrise will Michael Glos zurücktreten. Man darf getrost den Kopf schütteln.

Antje Sirleschtov

Michael Glos stellt sein Amt zur Verfügung – am Samstagnachmittag. Nicht irgendein Amt bekleidet der bayerische CSU-Politiker. Eines, das man mal eben so hinwerfen könnte. Nein, Michael Glos stellt das Amt des Bundeswirtschaftsministers zur Verfügung – zu einem Zeitpunkt, da sich Deutschland, Europa, ja die ganze Welt, in der schlimmsten Wirtschaftskrise der letzten Jahrzehnte befindet und reihenweise Entscheidungen von seinem Ministerium erwartet werden, die für die ökonomische Zukunft des ganzen Landes bedeutend sind.

Schlechter für das Land hätte Glos diesen Zeitpunkt nicht wählen können. Dass sich der CSU-Politiker von seinem eigenen Parteivorsitzenden Horst Seehofer nicht mehr unterstützt, ja sogar hintergangen fühlt und deshalb lieber selbst den Rücktritt wählt statt sich hinauswerfen zu lassen, macht den Vorgang allenfalls persönlich verständlich. Verantwortungsbewusst wird er damit noch lange nicht. Und das in einer Koalition, in der gerade in den letzten Monaten – vor, während und nach der Landtagswahl in Bayern – die Gewichte zwischen den drei Regierungspartnern verschoben wurden. In Richtung des kleinsten Partners, der CSU, die ihre eigenen Interessen zunehmend wichtiger nahm als die der Regierung in Berlin. Die Sache an sich – dieses Fingerhakeln des CSU-Wirtschaftsministers mit seinem bayerischen Parteichef Horst Seehofer – zeigt einmal mehr, dass sich die große Koalition dem Wahltermin im September nur noch entgegen schleppt. Mit einer Bundeskanzlerin an der Spitze, die längst nicht mehr Chefin im eigenen Hause ist, weder im Kabinett noch in der Union. Erst muss die CDU-Vorsitzende Angela Merkel monatelang den bayerischen CSU-Partner rücksichtslos auf ihre Kosten agieren lassen. Und nun muss sie als Kanzlerin auch noch hilflos zusehen, wie sich zwei alte bayerische Löwen ohne Rücksicht auf Verluste an ihrem Kabinettstisch zerfleischen.

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