Meinung : Wo ist Kahn?

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Das USMagazin „Time“ hat seine beliebte Liste der weltweit „100 einflussreichsten Persönlichkeiten“ veröffentlicht, 3 Deutsche (in Worten: drei) sind darunter, und wer jetzt „nur“ ruft, weil er bereits das für eine schlechte Nachricht hält, der kennt die Namen noch nicht: Geschafft haben es Kardinal Joseph Ratzinger (in der Kategorie „Führer und Revolutionäre“), unser aller Bleifuß Michael Schumacher („Helden und Ikonen“) sowie Cornelia Funke („Künstler und Entertainer“); der man nicht zu nahe tritt, wenn man sicherheitshalber noch erwähnt, dass es sich bei ihr um eine Kinderbuchautorin handelt. Gut, der Tunnelblick der Amis ist bekannt. Mag sein, dass da auch späte Rache mitschwingt, weil wir nicht mit in den Irak einmarschiert sind. Überdies: Die Kriterien für das Ranking scheinen arg schwammig: „Wir wollten“, heißt es seitens des „Time“-Magazins, „die Breite des menschlichen Bemühens abbilden – Einfluss kann auf tausendfache Weise gemessen werden“. Nur, ein Trost ist das nicht. Wenn man Einfluss angeblich tausendfach messen kann, warum ist dann 997-mal kein Deutscher dabei? Ach, es ist ein Elend, wohin man blickt: Selbst in der Kategorie „Macher und Titanen“ taucht kein Kahn auf, für den diese Sparte doch eigentlich erst erfunden wurde – wohl aber Roman Abramowitsch, ein Mann, der sich für viel Geld Stürmer kauft, damit sie unseren Kahn weich machen. Wahrscheinlich passiert das schon heute abend wieder, ab 20 Uhr 45, im Münchner Olympiastadion. Und wenn’s anders kommt? Dann hat das in den USA wahrscheinlich wieder kein Schwein gesehen. Gerecht ist das nicht. Vbn

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