Meinung : Wo Rauch ist, wird’s auch teuer

Heute tritt das Kyoto-Protokoll in Kraft. Nun geht es um die Verpflichtungen für die Zeit nach 2012

Ingrid Müller

Heute gibt es was zu feiern. Das Kyoto-Protokoll tritt in Kraft. Das Ende 1997 in Japan verabredete Abkommen war zwischenzeitlich von manchem bereits als gescheitert angesehen worden. Natürlich hat es auch nach der Unterschrift Russlands einen großen Schönheitsfehler: Die weltweit größten Verschmutzer, die Amerikaner, sind nicht dabei. Aber es gibt nun eine internationale gültige Verpflichtung. Das dürfen die 141 beteiligten Staaten feiern. So weit, so gut.

Nur dürfen sie sich auf dem Erfolg nicht ausruhen. Dazu gibt es keinen Anlass. Deutschland etwa ist auf einem guten Weg. Es hat einen großen Teil der bis 2012 zugesagten Senkung der Treibhausgase geschafft. Aber alle Experten sagen, dass weitere Maßnahmen nötig sind. Auch, weil es nach 2012 weitergehen muss. Denn mehr als eine Erhöhung der Temperatur um zwei Grad bis zum Jahr 2100 können wir uns auf der Erde nicht leisten. Das heißt auch in Deutschland: mehr Energieeffizienz, neue Technologien. Business as usual reicht nicht. Weder im eigenen Land noch weltweit. Jeder Einzelne kann durch kleine Schritte beitragen. Durch sein Fahrverhalten. Auch dadurch, dass er manchmal zu Fuß geht, Städte dadurch, dass sie attraktive Radwege bauen, dass mehr Menschen öfter den Umstieg wagen. Auch in der Gebäudesanierung steckt noch eine Menge Potenzial, um schädliche Emissionen zu vermeiden. Angenehmer Nebeneffekt effizienter Heizanlagen und guter Dämmung: Die Heizkosten sinken. Und das wird gefördert.

Große Hoffnung liegt derzeit auf dem europäischen Emissionshandel, also dem Handel mit Verschmutzungsrechten. Wenn er gut funktioniert, kann dort gespart werden, wo es am günstigsten ist. Um dieses Instrument zu einem Erfolg zu machen, muss allerdings darauf geachtet werden, dass kein Missbrauch damit getrieben wird und der Handel immer mit konkreten Senkungszielen verbunden ist.

Vor allem aber sind viele weitere Verhandlungen nötig. Denn zum einen sieht es so aus, dass Europa insgesamt das zugesagte Ziel nicht erreicht, der Ausstoß der Treibhausgase steigt in zu vielen EU-Staaten. Wenn aber die Industriestaaten ihre Verpflichtungen nicht erfüllen, wie wollen sie dann die Schwellen- und Entwicklungsländer in die Verantwortung für die globale Erwärmung nehmen? Es war immer Ziel der Verhandlungen, später auch diese Staaten einzubeziehen. Sie aber pochen zu Recht darauf, dass auch ihnen wirtschaftliche Entwicklung zugestanden werden muss.

Da es bisher aber nur bis 2012 Verabredungen gibt, muss das Augenmerk schon jetzt auf die Zeit danach gerichtet werden. Wenn die Welt es schaffen will, dass die Temperatur um nicht mehr als zwei Grad steigt, dürften nicht mehr Treibhausgase ausgestoßen werden als heute. Das heißt, es wird noch kräftiger reduziert werden müssen.

Um bei den Verhandlungen die Gerechtigkeit nicht aus den Augen zu verlieren, sollte möglichst bald diskutiert werden, langfristig eine Obergrenze für die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre auszuhandeln und diese dann pro Kopf und nach dem Pro-Kopf–Einkommen zu verteilen und nicht wie heute Senkungsziele nach Ländern oder Ländergruppen vorzugeben. Dann hätte jeder Mensch auf der Erde sozusagen ein Anrecht auf eine bestimmte Menge Verschmutzung. So können Entwicklungsländer vorankommen – und über den Verkauf von Rechten, die sie nicht in Anspruch nehmen, zudem Geld ins Land holen. Das wäre ein weiterer Anreiz auch für diese Länder, energieeffiziente Technologien einzusetzen.

Die Länder, die diese Technologien anbieten können – etwa Deutschland – können nicht nur mit dem Einsatz zu Hause ihren Ausstoß möglichst gering halten. Sie können auch exportieren. Und zwar schon in der Wachstumsphase etwa in China. Angesichts solcher Aussichten bewegen sich vielleicht beizeiten auch die USA.

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