Meinung : Wo reden Geld spart

STOIBER UND DIE ARBEITSZEITEN

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Es war ein großer Konservativer, der fragte: Was schert mich mein Geschwätz von gestern? Der Konservative, von dem das berichtet wird, heißt – nein, nicht Edmund Stoiber, sondern Konrad Adenauer. Aber zu Stoiber könnte der Satz passen, so wie er sich zu Arbeitszeiten und ihrer Verlängerung im öffentlichen Dienst auf 42 Wochenstunden einlässt. Am Sonntagabend noch bekräftigt Stoiber seine harte Haltung mit dem Hinweis, auch Streikdrohungen könnten ihn nicht erweichen. Montag dann öffnet der Ministerpräsident die Tür zu Gesprächen mit den Gewerkschaften – und drängt sofort nach, dass die aber dabei zu einer realistischen Einschätzung der Lage zurückkehren müssten. Nun ist es doch so: Dieses Gespräch ergibt nur Sinn, wenn es ohne jeden Vonoben-herab-Gestus geführt wird. Da stören Vorbedingungen. Stoiber sollte in diesem Fall in den hohen Norden schauen. Schleswig-Holsteins Finanzminister will auch eine Angleichung der Arbeitszeiten von Angestellten und Beamten, um zu sparen, das aber eben nicht herrschaftlich, sondern partnerschaftlich erreichen. Dieser Versuch kann nicht schaden – eine politische Provokation dagegen schon. Und wenn Stoiber seinen Blick nicht so weit wie nach Kiel schweifen lassen mag: Stuttgart tut’s auch. Der dortige Wirtschaftsminister hat sich bereits gegen das bayerische Modell ausgesprochen, er will lieber mehr Flexibilität wagen. Ob’s daran liegt, dass der ein Liberaler ist? Nein, nicht unbedingt. Denn ein großer Konservativer könnte sagen: Was hindert mich daran, jeden Tag klüger zu werden?cas

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