Meinung : Wohneigentum muss man sich leisten können

„Sparen, trauen, Häusle bauen“ von Ulrich Zawatka-Gerlach vom 6. Mai

Die Animationsbemühungen des Berliner Finanzsenators zum Erwerb von Wohneigentum resultieren wohl in erster Linie aus der klammen Haushaltslage. Befürchtungen, bald Wohngeldzahlungen angesichts der ständig größer werden Differenz von Einkommen und Mieten nicht mehr leisten zu können, dürften berechtigt sein.

Am Überangebot von preiswerten Mietwohnungen liegt es sicher nicht, dass Mieter den Erwerb von Wohneigentum verweigern, auch wenn der Bausenat immer noch stereotyp einen entspannten Wohnungsmarkt signalisiert.

Denn welcher Normalbürger würde nicht gern den ständig steigenden Kosten für Miete und Energie und unerwünschten „Modernisierungen“ entgehen und mehr eigenen Gestaltungsspielraum (auch in Sachen umweltfreundlicherer Energienutzung) haben. Aber solange der Arbeitsmarkt so instabil bleibt, befristete Arbeitsverhältnisse eher die Regel sind und selbst Besserverdienende sich nicht auf sichere Einkommen verlassen können, Kreditverträge weiterverkauft werden können und Gesundheitskosten weiter privatisiert werden, dürften lediglich Vermögende und in der Finanzbranche Tätige für Kaufimmobilien Interesse haben.

Dem Wohnen in Genossenschaften würden Mieter sich auch nicht verweigern. Da jedoch die Stadt und der Bund große Wohnungsbestände in den letzten zehn Jahren lieber an Finanzinvestoren verkauft haben, denen sie die Entwicklung des Wohnungsmarktes weitgehend überlassen und jetzt ihre eigenen Wohnungsgesellschaften an deren Geschäftsgebaren orientieren, besteht wenig Aussicht auf Änderung der Verhältnisse.

Besonders unerträglich erscheint mir noch der auch andernorts immer wieder zu hörende Verweis auf die Wohnverhältnisse anderer Metropolen, in deren Vergleich wir geradezu paradiesisch lebten, die aber wohl unausweichlich auch auf uns zukämen, da wir nun mal eine Weltstadt seien.

Es wäre schön, wenn Überlegungen, wie dieser Entwicklung zu begegnen sei, sich auf die Mehrheit der Berliner Bevölkerung beziehen würden und nicht auf eine kleine Minderheit, wie potente Käufer und Baugruppen.

Barbara von Boroviczény,

Berlin-Zehlendorf

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