Wolfgang Joop : "Ich war eine ständige Modesünde"

Wolfgang Joop erfindet sich ständig neu. Nun will der Modemacher beim insolventen Wäschehersteller Schiesser einsteigen und das Unternehmen an die Börse bringen.

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Wolfgang Joop
Wolfgang JoopFoto: dpa

Nach Feinripp-Unterwäsche sieht Wolfgang Joop so gar nicht aus. Eher fällt der höchst erfolgreiche Designer auf Smoking-Events schon mal mit extravaganten Anzügen auf, die von fern an Louis-Vuitton-Koffer erinnern. Auch chinesische Kittel sind ihm nicht peinlich. Dass er nun beim insolventen Wäschehersteller Schiesser einsteigen und das Unternehmen an die Börse bringen will, könnte der Traditionsmarke eine aufregende und erfolgreiche Zukunft bescheren. Joop ist ein Meister im Neuerfinden und hat nach eigenem Bekunden keine Lust auf vernünftige Sachen. Er entwirft, „für die Frau mit der dunklen Sehnsucht“ – und man darf gespannt darauf sein, welche Funken er aus dem einst als bieder belächelten Label schlagen wird.

Ein Wettbewerb der Frauenzeitschrift „Constanze“, den er 1970 gemeinsam mit Frau Karin gewann, brachte den Studenten der Werbepsychologie und Kunsterziehung einst zur Mode. Acht Jahre später schaffte er mit seiner ersten Pelzkollektion den internationalen Durchbruch als „Prussian Designer“. Anfang der 80er Jahre folgte die Prêt-à-porter-Damenkollektion unter dem Markenzeichen Joop! Mit Kollektionen für Herren und eigenen Parfüms ging die Erfolgsstory weiter, die zwischenzeitlich auch von heftigen Auseinandersetzungen mit verschiedenen Partnern geprägt war. Von der 1997 gegründeten Joop GmbH löste sich der Designer ein Jahr später, zunächst mit dem Verkauf eines 40-prozentigen Anteils für 150 Millionen DM. 2001 endete sein Wirken als Chefdesigner bei Joop! mit einer fristlosen Kündigung und gerichtlichem Nachspiel.

Danach schrieb Wolfgang Joop Bücher und einen Roman. Auch als Zeichner wird er geschätzt. Zu Hause fühlt sich der 65-jährige Vater von zwei Töchtern in Potsdam: „Das ist meine Heimatscholle.“ Inzwischen hat er mehrere Enkelkinder. Seit der Trennung von Ehefrau Karin bevorzugt er Partnerschaften mit Männern.

2003 meldete Wolfgang Joop sich mit „Wunderkind“, einer neuen eigenen Marke, auch als Designer zurück. Die glamourösen und fantasievollen Kleider, die eigentlich nach ganz unvernünftigen Dessous schreien, waren von Anfang an ein Erfolg und brachten ihn zurück in die Herzen der Fashionistas und auf die Laufstege internationaler Schauen. Seine Lust auf Schiesser hat US-Designer Calvin Klein angestachelt, weil er weiße Unterhosen „zu einem sexy Item“ gemacht habe: „Das kann ich ja wohl auch.“

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