Meinung : Worte haben Macht

„Wulff: Islam gehört zu Deutschland “

von Matthias Schlegel vom 4. Oktober

Obwohl ich mich mit der Wahl des Bundespräsidenten Wulff zunächst wenig anfreunden konnte, muss ich jedoch inzwischen einräumen, dass er die ersten 100 Tage in seinem Amt ganz gut gemeistert hat. Ich war vor allem sehr überrascht, eine solche inhaltlich ausgewogene und zugleich mahnende Rede zum Tag der Deutschen Einheit von einem CDU-Politiker zu vernehmen! Dass der Islam inzwischen auch zu Deutschland gehört, sollte nunmehr eindeutig klar sein! Wer anderes wider besseres Wissen behauptet, will nur am rechten Rand der Gesellschaft im Sarrazin’schen Sinne nach Wählerstimmen fischen. Die falsche Behauptung, Deutschland hätte eine christlich-jüdische, abendländische Leitkultur, wird auch nicht besser, wenn man sie ständig wiederholt! Denn die Debatte um die deutsche Leitkultur, angezettelt von Super-Konservativen, hatten wir vor einigen Jahren schon einmal und sie erinnert mich doch stark an bestimmte Ideologien vergangen geglaubter Zeiten im dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte!

Thomas Henschke,

Berlin-Waidmannslust

Es ist mir unverständlich, woher Bundespräsident Wulff die Überzeugung nimmt, der Islam gehöre zu Deutschland. Auch Millionen Migranten islamischen Glaubens rechtfertigen diese Behauptung nicht. Genau wie unsere Nachbarn hat Deutschland nach wie vor eine christlich-jüdische Tradition. Richtig ist, dass im Geltungsbereich des Grundgesetzes jeder das Recht hat, islamischen Glaubens zu sein, weil bei uns im Gegensatz zu vielen islamischen Ländern Religionsfreiheit garantiert ist. Mit seiner Äußerung leistet der Bundespräsident einer von vielen Bürgern gefürchteten schleichenden Islamisierung Vorschub und gibt rechten Kräften die Möglichkeit, dieses Themenfeld für sich zu besetzen.

Was würde wohl ein Türke denken und sagen, wenn eine angesehene Tageszeitung in Istanbul in memoriam byzantinischer Vergangenheit mit der Schlagzeile „Das Christentum gehört zur Türkei“ erscheinen würde? Ich bin in dieser Frage vom Bundespräsidenten und vom Tagesspiegel gleichermaßen enttäuscht.

Karl-Heinz Roch, Berlin-Steglitz

„Anders als die Religion und die Staatsverfassung ist die Kultur des Islam im wesentlichen nichtarabischen Ursprungs. Von der Sprache (…) einmal abgesehen, haben die Araber fast nichts zu ihr beigetragen. Die Kultur des Islam ist ein Konglomerat anderer Kulturen – der altsemitischen, der klassisch-griechischen, der mittelalterlich indisch-persischen. Sie wurde vornehmlich von den unterworfenen Völkern, den konvertierten Moslems, für den Islam formuliert.“ Eine neuerliche Polemik des Provokateurs Thilo S.? Mitnichten. Der zitierte Text ist über 40 Jahre alt und stammt von dem renommierten Historiker Philip K. Hitty, seinerzeit Professor für semitische Literatur an der Princeton University und Autor einer „History of the Arabs“ (Macmillan, New York 1964), nachzulesen in „Die Frühzeit des Islam“, TIME-LIFE Books 1967; dt. Ausgabe 1980. So viel zur angeblichen Bereicherung unserer Kultur durch den Islam.

Prof. Dr.-Ing. Peter Koeppe,

Berlin-Wannsee

Der Bundespräsident habe – so heißt es – nur eine „Waffe“: die des gesprochenen Wortes, der geschliffenen Rede. Dieser Bundespräsident verfügt offenbar nicht über die Gabe, sich bei heiklen und sensiblen Themen klar und ohne Missverständnisse ausdrücken zu können. Bundespräsident Wulff blieb in seiner ganzen schwammigen Rede eine nachhaltige Begründung seiner These schuldig, warum denn der Islam seiner Ansicht nach mittlerweile auch zu Deutschland gehöre. Wer als Bundespräsident seine Worte und Reden aber im Nachhinein erklären (lassen) muss – das hat man ja bei Horst Köhler gesehen –, der steht auf verlorenem Posten und ist den Anforderungen dieses Amtes wohl kaum gewachsen.

Oliver Passarge, Berlin-Schöneberg

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