Wowereit und die SPD : Wer dreimal basta sagt

Nicht mit mir! Das hat der Regierende Bürgermeister schon zweimal gesagt. Was ist ein drittes Machtwort wert?

von
Klaus Wowereit beim Besuch der John F. Kennedy Schule.
Klaus Wowereit beim Besuch der John F. Kennedy Schule.Foto: dpa

Sparsam muss man damit sein. So ein Machtwort nutzt sich ab. Klaus Wowereit hat es gesagt, als er 2006 bei der Wahl zum Regierenden Bürgermeister unerwartet durchfiel, weil von den Genossen einige bei der geheimen Wahl nicht mitzogen. Ich trete nur noch einmal an, so Wowereits Drohung. Auch beim Thema Autobahnverlängerung teilte er den linken Sozialdemokraten mit: Dann müsst ihr euch einen anderen suchen. Nur Wowereits Machtwort sicherte 2010 eine Parteitagsmehrheit für den umstrittenen Bau der A 100. Was ist ein drittes Machtwort wert?

Die Situation könnte für Wowereit kaum vertrackter sein. Erstmals seit Jahren ist er, angeschlagen durch das Flughafendebakel, nicht mehr beliebtester Politiker. Dass sich zugleich der CDU-Landesvorsitzende und Innensenator Frank Henkel, den vor einem Jahr zwei von drei Berlinern nicht kannten, nun mit seiner Politik der ruhigen Hand an der Spitze der Beliebtheitsskala steht, ist ein Vorzeichen für sich verändernde Mehrheiten. Vor allem belastet der hässliche Streit um den SPD-Vorsitz die Position des Regierenden Bürgermeisters. Denn für die Berliner ist Wowereit der SPD-Frontmann, egal, wer offiziell Landeschef ist.

Das Flughafen-Debakel in Bildern:

Das Debakel um den neuen Flughafen in Bildern
Ende August 2012 hatte der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratvorsitzende des BER, Klaus Wowereit, noch die Verantwortung für das Flughafen-Desaster übernommen. Am 24.05.2013 wies er jedoch eine persönliche Verantwortung für die mehrfache Verschiebung des Eröffnungstermins im BER-Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses von sich. Doch nun, Mitte Dezember ist sein Comeback als Aufsichtsrat sicher.Weitere Bilder anzeigen
1 von 134Foto: dapd
13.12.2013 10:52Ende August 2012 hatte der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratvorsitzende des BER, Klaus Wowereit, noch die Verantwortung...

Was am kommenden Samstag auf dem Parteitag entschieden werden soll, ist nur vordergründig ein Kampf gegen den Amtsinhaber Michael Müller. Der hat seit 2001 als Fraktions- und Landesvorsitzender den von Wowereit vorgegebenen Kurs durchgesetzt. Fällt Müller, ist Wowereits Pufferzone weg. Noch wagt niemand, den Regierenden Bürgermeister zu kritisieren. Ohne die Wahlkampfmaschine Wowereit säße die SPD nämlich nicht seit bald 23 Jahren auf der Regierungsbank. Die Stimmenverluste im Herbst 2011 aber zeigen, dass sich Wowereits Charisma abnutzt.

31 Kommentare

Neuester Kommentar