Wyclef Jean : "Es ist ein großes Opfer"

Plakate mit Wyclef Jeans Gesicht gibt es bereits reichlich in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince: Der Sänger und Gitarrist macht Werbung für einen Mobilfunkanbieter. Bald werden wohl noch mehr Werbemotive dazukommen, denn Jean will sich als Präsident des Inselstaates zur Wahl stellen.

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Wyclef Jean.
Wyclef Jean.Foto: dpa

Plakate mit Wyclef Jeans Gesicht gibt es bereits reichlich in Haitis Hauptstadt Port-au- Prince: Der Sänger und Gitarrist macht Werbung für einen Mobilfunkanbieter. Bald werden wohl noch mehr Werbemotive dazukommen, denn Jean will sich als Präsident des Inselstaates zur Wahl stellen. Das wird er am Donnerstag in der CNN-Talkshow von Larry King ankündigen. Seit Tagen mehrten sich die Anzeichen dafür, dass der Popstar ins Rennen gehen würde: So gab er kürzlich seine Fingerabdrücke in Haiti ab – neben dem Pass des Landes die Voraussetzung dafür, im November auf dem Wahlzettel stehen zu können.

Bevor er sich endgültig dazu entschloss, tagte allerdings ausführlich der Familienrat mit Frau Claudinette und Tochter Angelina: „Wir müssen als Familie entscheiden, was wir machen, weil es ein großes Opfer ist,“ sagte Jean, der 1972 in Haiti zur Welt kam. Als er neun Jahre alt war, zog er mit seiner Familie zunächst nach Brooklyn, später nach New Jersey.

Mit seinem Cousin Prakazrel „Pras“ Michel und Lauryn Hill gründete er 1987 die Hip-Hop-Formation Tranzlator Crew. Umbenannt in Fugees hatten sie 1996 ihren Durchbruch mit dem Album „The Score“, das auf geniale Weise Rap, R ’n’ B und Pop verband. Die Fugees-Coverversionen von Roberta Flacks „Killing me softly with his Song“ und Bob Marley’s „No Woman, No Cry“ waren Megahits. Das Album verkaufte sich rund fünf Millionen Mal. Mitten in der Blütezeit des Gangster- Rap war es ein Meilenstein des alternativen, sozial engagierten Hip-Hop.

Ein Jahr später begannen die Solokarrieren der Fugees. Wyclef Jean setzte sich auf Alben wie „Welcome to Haiti: Creole 101“ und „Toussaint St. Jean: From the Hut, To the Projects, To the Mansion“ immer wieder mit seinen Wurzeln auseinander – allerdings größtenteils auf Englisch. Haitis Amtsprachen Kreolisch und Französisch beherrscht er kaum.

Er beließ es nicht bei Songs, sondern gründete vor fünf Jahren die Stiftung Yéle Haiti, die unter anderem Bildungs-, Sport,- und Kulturprojekte organisiert. Nach dem verheerenden Erdbeben im Januar sammelte sie innerhalb weniger Tage rund zwei Millionen Dollar. Das lenkte die Aufmerksamkeit auf die bisherige Arbeit von Yéle, wobei einige Ungereimtheiten in Sachen Steuererklärung und Spendengeld-Verwendung auftauchten. Jean reagierte empört. An solche Nachforschungen muss er sich allerdings im Wahlkampf gewöhnen. Nadine Lange

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