Yasuo Fukuda : "Wir haben keine Zeit zu verlieren“

Finn Mayer-Kuckuk

Mit allen Mitteln versucht er in diesen Tagen, Führungskraft zu zeigen. Yasuo Fukuda, Gastgeber des G-8-Gipfels im nordjapanischen Toyako und seine Berater fürchten einen Vorwurf ganz besonders: dass er als Quasi-Vorsitzender des Treffens nicht klar den Weg zeige. Bisher sieht es so aus, als würde das Treffen nur wenig konkrete Ergebnisse bringen. Selbst Beamte des japanischen Außenministeriums raten den Journalisten, nicht zu viel zu erwarten. Klimaschutz sei ein langer Prozess.

Dabei ist der 71-jährige Fukuda ein kompetenter und erfahrener Politiker. Den Japanern gefällt sein Stil besser als der seines Vorgängers, der sich in erzkonservativen Projekten verrannte, statt die Probleme der Gegenwart anzupacken. Doch das allein hilft Fukuda nicht aus einem Umfragetief. Denn er hat ein Problem: Seit einer Wahl zur zweiten Kammer des Parlaments im vergangenen Sommer regiert er gegen eine Opposition, die ihm jedes Gesetzesvorhaben verhageln kann. Wegen seiner Schwäche daheim kann er auch beim Gipfel nicht vorangehen. Dazu müsste er beispielsweise Japan verpflichten, noch mehr fürs Klima zu tun. Doch dagegen stellen sich der mächtige Industrieverband Keidanren und Teile der eigenen Partei. Deshalb hat sein eigenes Land die Bekanntgabe eines Mittelfristziels für die Treibhausgasemissionen verschoben. Schade, denn gerade die disziplinierten und technisch versierten Japaner sind bei den CO2-Einsparungen bereits gut vorangekommen.

Fukuda hat Wirtschaftswissenschaften studiert und kommt aus einer Politikerfamilie. Sein Vater war in den 70er Jahren für zwei Jahre Premierminister. So eine Erbfolge ist in Japan nicht unüblich und spricht nach verbreiteter Auffassung dafür, dass der Kandidat sein Geschäft von der Pike auf gelernt hat. Seit 1990 sitzt Fukuda im Parlament. Er war von 2000 bis 2004 Chefkabinettssekretär. Das entspricht in Deutschland etwa dem Kanzleramtsminister.

Bis zu einer Unterhauswahl im Herbst kommenden Jahres wird Japan der Premier mit der freundlichen, leisen Stimme wohl erhalten bleiben; in der ersten Kammer verfügt er über die Mehrheit. Seine leise Art gilt übrigens als weiterer Schwachpunkt beim Gipfel. Manchmal muss ein Spitzenpolitiker ja auch kleine Erfolge groß verkaufen. Das wäre nötig, um aus der Verbesserung seiner Zustimmungsrate kurz vor dem Gipfel einen Trend zu machen, der bis zur Wahl hält.Finn Mayer-Kuckuk

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