Zahl der Einbürgerungen steigt : Mehr Deutsche wagen

Ausländer wollen Deutsche werden. Das ist ein guter Trend. Noch besser wäre es, wenn Schwarz-Gelb den Widerstand gegen die doppelte Staatsangehörigkeit aufgibt.

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Anträge, Formulare, Tests: Wer die Strapazen auf sich nimmt, bekennt sich zu diesem Staat. Foto: dpa
Anträge, Formulare, Tests: Wer die Strapazen auf sich nimmt, bekennt sich zu diesem Staat.Foto: dpa

Ein erfreulicher Trend erlaubt eine kühne Prognose. Zunächst der Trend: Seit einiger Zeit steigt die Zahl der Einbürgerungen von Ausländern. Im vergangenen Jahr waren es mehr als 110 000. Besonders viele Menschen aus EU-Ländern wollen deutsche Staatsbürger werden. Das ist gut. Wer das immer noch viel zu lange Prozedere auf sich nimmt, zeigt den Willen, sich zu diesem Land, seinen Werten und seiner Verfassung zu bekennen. Und nun die Prognose: Selbst die schwarz-gelbe Bundesregierung, falls sie nach dem 22. September weiter regieren sollte, wird ihren Widerstand gegen die doppelte Staatsangehörigkeit aufgeben. Das ist so ähnlich wie mit dem Mindestlohn, der Wehrpflicht oder der Homo-Ehe. Moderne Zeiten erfordern eine moderne Politik. Das gilt auch beim Thema Einwanderung und Integration. Der Vorbehalt, mit der doppelten Staatsangehörigkeit doppelte Loyalitäten zu schaffen, wirkt angesichts der reibungslosen Praxis in anderen Ländern antiquiert. Viel mehr Ausländer als bisher würden auf diese Weise Deutsche werden. Außerdem könnten sich Union und FDP auch unter Migranten noch wählbarer machen. An dem starren Ein-Mensch-ein-Pass-Diktum festzuhalten, ist nur noch eins – gestrig.

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