Meinung : ZDF-Politbarometer: Es geht auch ohne Gysi

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Lange hatte die Berliner CDU der Affäre getrotzt: In den Meinungsumfragen lag sie stets vor der SPD, trotz Landowsky, trotz Bankenskandal. Doch jetzt ist die SPD an ihr vorbeigezogen. Spitzenkandidat Frank Steffel, angepriesen als neue Kraft, hat Startschwierigkeiten. Nur noch 26 Prozent der Berliner würden heute CDU wählen; 1999 waren es noch 40 Prozent. Steffel kann jeden Tag brauchen. Die CDU hat schon gewusst, weshalb sie sich einem frühen Wahltermin verweigerte. Ihr Trost: Die SPD hat auch nicht wirklich Grund zur Freude. Sie liegt noch immer unter 30 Prozent, trotz Landowsky, trotz Bankenaffäre - oder vielleicht gerade deshalb? Für das Finanzdesaster wird offensichtlich nicht nur die CDU verantwortlich gemacht. Zusammen kämen CDU und SPD heute in Berlin auf gerade noch 53 Prozent. Eine ziemlich kleine Koalition wäre das. Die Stadt wendet sich also ab von den Filzparteien. Und wem wendet sie sich zu? Ein bisschen mehr der PDS, oder besser gesagt: Gysi. Ein kleines bisschen mehr den Grünen. Aber sehr viel mehr einer Partei, von der man bis heute nicht so recht weiß, wer oder was sie in Berlin eigentlich ist. Die FDP, bisher mit gut zwei Prozent außerparlamentarische Opposition, liegt jetzt bei neun Prozent. Und das könnte die SPD dann doch etwas freudiger stimmen. Es könnte auch ohne Gysi gehen - es reicht für eine Ampelkoalition - noch.

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