Zehn Jahre nach der Studienreform : Erfolgsmodell Bachelor

Früher gab es Langzeitstudenten. Heute gibt es den Bachelor. Mittlerweile seit zehn Jahren schon. Und allen Unkenrufen zum Trotz: Die umstrittene Studienreform ist ein Erfolg.

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Überfüllter Hörsaal.
Überfüllter Hörsaal.Foto: dapd

Max Magister freut sich schon auf die Uni, als er das Abiturzeugnis in den Händen hält. Endlich raus aus der Schule, endlich die großen Dichter studieren. Doch die Freude hält nicht lange an. Von der Uni alleingelassen, versucht sich Max durch das eklektische Studienangebot zu schlagen. Die Wahrscheinlichkeit, dass er abbricht, ist hoch: 80 Prozent derer, die Germanistik gewählt haben, verlassen die Uni ohne Abschluss in ihrem Fach. Schafft Max doch das Examen, ist er fast 30 Jahre alt.

So ungefähr sah in den 90er Jahren der durchschnittliche Verlauf eines Magisterstudiums aus. Es lohnt, sich vor Augen zu führen, wie Hochschulen früher oft die Lebenszeit von Studierenden verschwendeten, wenn dem Bachelor nun zum zehnten Geburtstag ein schrilles Ständchen gesungen wird. Allen voran intoniert das der Präsident der Hochschulrektoren, Horst Hippler: „Bildung“ vermittelten die neuen, kürzeren Studiengänge nicht. Die Unis würden „Absolventen, aber keine Persönlichkeiten“ produzieren. Die Wirtschaft könne mit diesen jungen Menschen nichts anfangen.

Nun kann man bezweifeln, dass sich Absolventen früher wirklich als Persönlichkeiten fühlten. Bei vielen überwog das Gefühl, nur Puzzleteile ihres Fachs gesammelt zu haben. Nimmt man der Bachelor-Kritik also den ihr eigenen Kulturpessimismus, kann sich die Bilanz der größten Studienreform in Deutschland trotz aller Kinderkrankheiten sehen lassen.

Die Studienzeit ist kürzer geworden. Knapp sieben Semester braucht ein Bachelor im Schnitt, die Regelstudienzeit von sechs Semestern überschreitet er kaum. Die Abbrecherzahlen an den Hochschulen beginnen zu sinken. Befragt man Erstsemester, sind viele überrascht, wie viel Freiheiten sie entgegen Unkenrufen der Altvorderen an der Uni im Gegensatz zur Schule haben. Warum Firmen junge Absolventen ablehnen sollten, bleibt ohnehin ein Geheimnis der Kritiker. Alle Umfragen deuten auf das Gegenteil hin.

Natürlich darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass es noch viel zu tun gibt. Doch für viele Probleme an den Unis kann der Bachelor nichts. Fast doppelt so viele Erstsemester nehmen heute ein Studium auf. Dass sie in Massen abgefertigt werden, liegt daran, dass der Studienreform von der Politik nicht genug Geld mitgegeben wurde. Der Zeitdruck ist groß, weil viele neben dem stärker strukturierten Studium jobben müssen. Wo bleibt das große Stipendienprogramm, das ein Studium ohne Geld- und Zeitsorgen ermöglicht?

Von Jugendlichen wird heute erwartet, dass sie einen Lebensplan im Kopf haben, den sie so schnell es geht durchziehen. Das kurze Bachelorstudium scheint das auf den ersten Blick zu befördern. Dabei böte das zweigeteilte Studium die Chance, Biografien zu entschleunigen. Erst ein Bachelorstudium absolvieren, dann einige Jahre Berufs- und Lebenserfahrung sammeln. Wenn die eigenen Wünsche und Ziele klarer sind, könnte man ein Masterstudium draufsetzen. Die Gesellschaft muss solche Lebensentwürfe nur wollen.

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