Meinung : Zeit für Tabus

IMMER MEHR GEWALTTATEN IN DEUTSCHLAND

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Wenn Otto Schily bald die Kriminalstatistik vorstellt, wird das Jammern groß sein. Es gibt immer mehr Gewalttaten, und immer mehr Jugendliche sind darin verwickelt. Über 197 000 Fälle sollen es insgesamt gewesen sein, vertraute Schily bereits den Innenministern der Länder an. Zahlen, die Menschen Furcht machen – und mit denen sich Politik machen lässt. Deshalb ist mit ihnen verantwortungsvoll umzugehen. Zunächst: Die so genannte Kriminalstatistik ist ein Bericht der Polizei, welche Straftaten mit welchen Verdächtigen angezeigt worden sind. Über wahr und unwahr, Schuld und Unschuld sagt sie nichts. Und alle Steigerungen, Schwankungen und dergleichen halten sich seit Jahren in einem Maß, das keinen gesetzgeberischen Alarm erfordert. Dennoch ist die Gewaltkriminalität gerade Jugendlicher bedrohlich. Und sie wandelt sich, wie Experten sagen: Es geht ohne Rücksicht gegen Schwache und Wehrlose, es wird nachgetreten, wenn einer schon am Boden liegt. Selbst Gewalt kannte ihre Tabus. Die scheinen sich langsam aufzulösen. Man muss sie neu errichten. Das kostet Mühe, die Mühe jedes Einzelnen. Tabus sind eine Aufgabe der Gesellschaft, der Erziehung. Mehr und schärfere Gesetze gegen Gewalt werden nicht helfen, wenn Gewalt weiter so akzeptiert, vorgelebt und konsumiert wird wie heute.neu

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