Meinung : Zeit ist Geld

Die Autohersteller werben mit großen Rabatten – die Kunden warten, weil sie auf mehr hoffen

Alfons Frese

Ist es nicht an der Zeit, sich mal wieder ein neues Auto zuzulegen? Der Durchschnitts- Pkw hat fast schon acht Jahre auf dem Blech und damit sozusagen ein historisches Durchschnittsalter: 7,8 Jahre, das ist in Deutschland ein neuer Höchststand. Das hängt zusammen mit der längeren Haltbarkeit und der höheren Qualität der Autos. Aber es hängt eben auch zusammen mit der Kaufunlust der Autofreunde. 1999 wurden in der Bundesrepublik noch mehr als 3,8 Millionen Autos neu angemeldet. Seitdem geht es bergab, im letzten Jahr waren es 3,24 Millionen. Und 2004? Geht es allen besser, weil zumindest diejenigen, die Arbeit haben, am Ende des Monats mehr Geld ausgeben können? Kaufen wir uns dann ein neues Auto und verschaffen damit der wichtigsten deutschen Industriebranche frischen Schwung?

Es sieht nicht danach aus. Der Januar war noch schlechter als vor einem Jahr und hat deutlich gemacht, wie wacklig die durchaus optimistischen Prognosen für 2004 sind. Symbol für die Schwäche des Marktes ist der neue VW-Golf, der im vergangenen Herbst zu den Händlern kam und der so schlecht läuft, dass sich VW-Chef Bernd Pischetsrieder zu einer Notaktion veranlasst sah. Die Klimaanlage, die eigentlich 1225 Euro kostet, gibt es nun im Golf gratis. Das soll den zaudernden VW-Freunden über die letzte Schwelle helfen, soll sie den Kaufvertrag unterschreiben lassen. Und bei VW drückt es den Gewinn um eben jene 1225 Euro je Auto. Gute Zeiten für die Kunden, schlechte Zeiten für die Konzerne.

Opel-Chef Carl-Peter Forster hat schon vor Monaten gestöhnt, die Kunden wollten in Wirklichkeit kein gutes Auto, sondern ein Schnäppchen. Und die bittere Konsequenz gezogen: Der neue Astra kommt im nächsten Monat mit einem Kampfpreis auf den Markt, 2000 Euro billiger als der Hauptkonkurrent Golf. Das ist bitter für VW – und für den Opel-Gewinn. Im Moment tun die Konzerne alles, um den Absatz einigermaßen am Laufen zu halten und so ihre Fabriken auszulasten. Einzelne Modelle werden hier und da mit Abschlägen bis zu 4000 Euro feilgeboten. Das übersteigt sogar den Durchschnittsrabatt von 3500 Dollar, den die großen drei US-Hersteller ihren Kunden gewähren. So weit sind wir hier zu Lande noch nicht, im Schnitt liegen die Rabatte unter 2000 Euro.

Doch wie lange noch? Die USA sind das beste Beispiel dafür, in welche Sackgassen die Hersteller fahren können. Mit den teuren Verkaufshilfen reagierten General Motors, Ford und Chrysler auf den Terror des 11. September 2001. Mit Erfolg, der Automarkt stabilisierte sich. Und wurde dennoch immer teurer für die Big Three, deren Kunden sich an die Rabatte gewöhnt hatten – und mehr wollten. Inzwischen müssen selbst ganz neue Modelle mit Preisabschlägen verscherbelt werden. Der Markt ist kaputt.

Das soll in Deutschland nicht passieren. Weil ja im Frühling die Konjunktur anzieht und sich dann die Autos von selbst verkaufen – ohne Sonderaktionen. Da ist viel Hoffnung im Spiel. Marktführer VW glaubt nicht daran und bietet die Golf-Klimaanlage für umsonst bis September. Es gibt Überkapazitäten in Europa, die auf bis zu 30 Prozent geschätzt werden; das drückt auf die Preise. Gleichzeitig kommen die Asiaten immer stärker mit guter Qualität und attraktiven Preisen und jagen den einheimischen Herstellern Marktanteile ab. Es spricht also vieles dafür, dass es noch lange Schnäppchen gibt bei den Autohändlern. Für sie und die Hersteller ist es bitter, wenn die Kunden trotzdem ihren Autokauf verschieben – weil sie auf noch höhere Rabatte warten.

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