Zeitumstellung : Die Stunde der FDP hat sowieso schon geschlagen

In der Nacht auf Sonntag werden die Uhren umgestellt. Der FDP könnte das eigentlich egal sein. Deren Zeit ist sowieso abgelaufen. Den Liberalen geht es aber gar nicht nicht um die verlorene Zeit.

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Sommerzeit: Die Deutschen "verlieren" eine Stunde Zeit. Die FDP wittert eine Chance, verlorene Wählerstimmen wiederzugewinnen.
Sommerzeit: Die Deutschen "verlieren" eine Stunde Zeit. Die FDP wittert eine Chance, verlorene Wählerstimmen wiederzugewinnen.Foto: dpa

Es ist wieder so weit. Melkmaschinen werden verrückt spielen, Züge der Deutschen Bahn einfach stehen bleiben, die Tiere in den Zoos werden dumm aus der Wäsche gucken, weil sie viel früher als sonst aus den Federn müssen und das Fressen schon zubereitet ist, in Rostock klettert ein wagemutiger Mensch im Turm der Marienkirche herum, andere, weniger Unerschrockene werden stammelnd vor ihrem Chef stehen, „ja, aber …“, und die FDP, diesmal in Person der Bundestagsabgeordneten Gudrun Kopp, besinnt sich auf ihre Kernkompetenz und fordert die Abschaffung der Zeitumstellung: Weg mit dem staatlichen Eingriff, auch die Uhr hat ein Recht auf das freie Spiel der Kräfte! Die Zeitumstellung, so Frau Kopp, bedeute körperliche Belastung, Kosten und Aufwand, aber null Nutzen. Außerdem sei die Bevölkerung genervt von der Zeitumstellung. Ach, Frau Kopp, aus Mitleid verraten wir Ihnen jetzt nicht, wovon die Bevölkerung wirklich genervt ist. Also, in Nordrhein- Westfalen sind es zur Zeit etwa zwei Prozent, die nicht genervt sind. Alles klar? Zurück zur Uhr. Die wird am Sonntag um eine Stunde vorgestellt.

Klaus Stuttmann zur FDP
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1 von 14Karikatur: Stuttmann
09.05.2012 15:14"Hurra, ich lebe noch!!"

Was bei der 1472 gebauten astronomischen Uhr in der Rostocker Marienkirche viel einfacher ist als die Umstellung per Hand zur Winterzeit, da muss nämlich das komplizierte Uhrwerk gegen seine natürliche Laufrichtung gedreht werden. Und trotzdem werden, nicht nur in Rostock, sondern überall im Land wieder Menschen verdattert vor ihren Chefs stehen, weil es schon acht Uhr ist, wenn sie um sieben ihren Job anzutreten haben. Für die, die es auch im 32. Jahr der Zeitumstellung noch nicht begriffen haben: Die Uhr wird vorgestellt. Dass heißt, dass es drei ist, wenn es zwei ist und schon 19 Uhr, wenn es erst 18 Uhr ist. Und das heißt, dass die Züge in der Nacht eine Stunde warten müssen, weil sie sonst um sechs Uhr ankommen würden, wenn sie um sieben ankommen sollen. Und das geht ja nicht. Also, mit der normalen Verspätung kommen sie dann um acht an, können aber sagen, dass es ja eigentlich erst sieben ist, sie also pünktlich sind. Na bitte, geht doch. Sommerzeit! Endlich Sommerzeit. Es ist eine Stunde länger hell. Die Lebensqualität erhöht sich um eine geschlagene Stunde. 60 Minuten. Das sollte uns das Stündchen Schlaf, das man uns raubt bei der Umstellung, wert sein. Noch eine Bitte: Am 28. Oktober, wenn die Sommerzeit endet, lasst sie doch einfach weitermachen. Und wenn die FDP meckert, deren Stündlein hat dann sowieso schon geschlagen.

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