Meinung : Zeitweilig gezähmt

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Die Verzögerung war nur Taktik. Am Ende haben Mazedoniens Nationalisten die Reformen zugunsten der albanischen Minderheit doch noch geschluckt. Der massive internationale Druck hat Wirkung gezeigt. EU und Nato haben ihre geballte Diplomatie mit sehr viel mehr Geschick eingesetzt als bei früheren Konflikten auf dem Balkan. Allerdings lässt die langwierige Entstehungsgeschichte des Friedensabkommens und der Verfassungsänderungen nichts Gutes für die mindestens so wichtige Umsetzung erwarten. Bisher ist das Reformpaket nur Papier. Die slawische Mehrheitsbevölkerung wird die privilegierten Positionen in Verwaltung, Polizei, Bildung und Justiz nicht ohne weiteres aufgeben. Die Nationalisten werden jetzt hartnäckig die Umsetzung der neuen Gesetze hintertreiben. Auf der anderen Seite warten bereits die Hardliner unter den Albanern, für die der Krieg ebenfalls viel zu früh aufgehört hat. Ihnen geht es nicht um Menschenrechte für die Minderheit, sondern um die ethnische Teilung des Landes und die Abspaltung der albanischen Gebiete. Die internationale Gemeinschaft muss den Druck auf die Konfliktparteien in Mazedonien aufrecht erhalten, damit der Friedensprozess am Ende nicht doch noch entgleist.

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