Zentralrat der Juden : Selbstdemontage

Charlotte Knobloch zu demontieren, ist wohlfeil. Einen Neuanfang für den Zentralrat der Juden bedeutet das noch lange nicht

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Es braucht nicht einmal mehr Henryk M. Broder, um den Zentralrat der Juden in Deutschland nachhaltig zu lädieren. Die Organisation, einst eine gewichtige Stimme in Deutschland, erledigt das gerade selbst – durch die Art und Weise, wie sie die Präsidentin Charlotte Knobloch demontiert. Irgendjemand hat der Presse anvertraut, Knobloch wolle im November nicht für eine zweite Amtszeit kandidieren. Knobloch selbst überraschte diese Nachricht. Nun soll sie sich am Sonntag auf einer Sitzung den Gremien erklären. Wie ihre Erklärung auch ausfallen mag, ihre Amtszeit endet faktisch schon jetzt. Denn ihre beiden Stellvertreter schweigen zu dem Vorgang. Es ist ein beredtes Schweigen, aus dem sich die Zustimmung zu ihrer Abwahl deutlich herauslesen lässt. Vermutlich wird einer dieser beiden Stellvertreter im November ihr Nachfolger werden. Und das ist eine weitere traurige Nachricht in diesem stillosen Spiel. So überzogen und unpassend mancher Auftritt, manche Stellungnahme von Charlotte Knobloch auch gewesen sein mag, von ihren Stellvertretern, den Frankfurtern Salomon Korn und Dieter Graumann, war auch nichts Klügeres zu hören. Charlotte Knobloch zu demontieren, ist wohlfeil. Einen Neuanfang für den Zentralrat der Juden bedeutet das noch lange nicht.

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