Meinung : „Zu dir wollt’ ich noch kommen!“

Robert Birnbaum

Wenn an einem Montagmittag die Mitglieder des CDU-Vorstands langsam aus dem Konrad-Adenauer-Haus nach draußen tröpfeln, und wenn dann einer vor sich hinraunt: „Heute war’s laut“, dann kann man sicher sein: Bernd Neumann hat gesprochen. Genauer gesagt, er hat kontrolliert getobt. Neumann tut das häufiger und stets aus vergleichbarem Anlass. Wenn die CDU sich wieder mal so richtig ins eigene Bein geschossen hat, dann ist eine Neumann’sche Gardinenpredigt fällig.

Die pflegt nicht nur akustisch deutlich auszufallen. Er lässt auch keinen Zweifel daran, wem die Attacke jeweils gilt. An diesem Montag waren die Ministerpräsidenten dran. Neumann hatte sie ausgemacht als Urheber jenes Eindrucks von Zerstrittenheit, der der CDU derzeit so katastrophale Umfrageergebnisse beschert. „Zu dir wollt’ ich noch kommen“, musste sich Peter Müller von der Saar anraunzen lassen, als er einen Einwurf wagte.

Dass der 64-jährige gebürtige Westpreuße sich gerne als Praeceptor der Partei betätigt, ist nicht allein seinem Temperament geschuldet. Es hat auch etwas mit seiner Machtbasis zu tun. Die ist so schmal, dass sie ihm keinerlei Rücksichten abverlangt. Die Bremer CDU, die der Vorsitzende Neumann seit fast drei Jahrzehnten regiert, stellt in der Unionsfraktion genau zwei Abgeordnete. Drei Mal als Spitzenkandidat für die bremische Bürgerschaft gescheitert, konzentriert er sich seither ganz auf die Kunst des Netzwerkens, speziell im Film- und Medienbereich. Seit einem Jahr betreibt er das Geschäft als Merkels Kulturstaatsminister hauptberuflich.

Seine Nebenrolle als polternder Wahrer des christdemokratischen Korpsgeistes hat übrigens wenig mit der Person Merkel zu tun. Neumann, im Unionsspektrum ein Konservativer, hat einst genauso Helmut Kohl die Parteisoldatentreue gehalten, selbst als der Ex- Kanzler wegen seiner Spendenaffäre gerade frisch verfemt war. Da erst recht hat der Bremer den Pfälzer zum Neujahrsempfang seiner CDU an die Weser eingeladen. Und ihm eine Rede gehalten, die sinngemäß unter dem Motto stand: Wir lassen uns unsere Anführer nicht kaputtmachen, und schon gar nicht tun wir’s selbst. Dem Ideal der Partei als Kampfverband sieht er sich unter Kohls Nachfolgerin genauso verpflichtet. Ob Merkel die lautstarken Interventionen immer recht sind, ist nicht ganz klar. Führen sie doch selber gern zur Überschrift „Streit in der CDU“.

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