Meinung : Zu früh gefreut

-

Jede Rettung aus verzweifelter Lage erwärmt das Herz. Aber die Wärme lullt ein. Das Happyend schließt eine Geschichte ab, die meist erst beginnt. Der Afghane Abdul Rahman ist frei. Der Muslim, der zum Christentum konvertiert war, wird nicht hingerichtet. Sein Schicksal hatte den Westen empört: von Amnesty International bis George W. Bush, von Angela Merkel bis Papst Benedikt. Entsprechend laut wird jetzt aufgeatmet. Mission erfüllt. Doch wer sich ob der guten Nachricht nur freut, lebt verkehrt. Rahmans Leben bleibt bedroht. Wen die Islamisten verfolgen, der ist ewig auf der Flucht. Das wissen Schriftsteller wie Salman Rushdie und Taslima Nasreen, die niederländische Politikerin Ayaan Hirsi Ali muss rund um die Uhr bewacht werden. Auch der Skandal, der hinter dem Fall Rahman steht – die Verletzung religiöser Freiheiten in vielen muslimischen Ländern –, geht unvermindert weiter. Was in Afghanistan geschah, kann sich täglich in Jordanien, Saudi-Arabien, Jemen, Sudan, Iran wiederholen. Und beileibe werden nicht nur Christen drangsaliert, sondern alle Nichtmuslime. Abdul Rahman ist frei. Die, die ihn umbringen wollten, wüten weiter. mal

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben