Meinung : Zu hoch gepokert

Von Alfons Frese

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Habt ihr wirklich gut gemacht. Aber nun ist’s genug. Gebt Ruhe und kommt wieder zur Arbeit.“ Mit solchen Worten wenden sich die Streikführer von Verdi in diesen Tagen an ihre Truppen. Nach fast sieben Wochen Arbeitskampf stehen die Müllwerker und Kinderkrankenschwestern, Straßenräumer und Erzieher zumindest in Baden-Württemberg ziemlich dumm da. Der Kampf ist nicht verloren. Aber gewonnen schon gar nicht. Die 38,5-Stunden-Woche, so viel ist bereits klar, wird nicht verteidigt werden können. Und auch die Ergebnisse von Hamburg und Niedersachsen, wo sich beide Seiten auf Arbeitszeiten unter 39 Stunden verständigten, werden die Ausnahme bleiben. In den Kommunen Baden-Württembergs wird eine 39 vor dem Komma stehen wie in den Bundesländern – sofern es dort überhaupt zu einem Ergebnis kommt.

Die Schlichter in Baden-Württemberg hatten eine gestaffelte Arbeitszeit mit im Schnitt 39,15 Wochenstunden vorgeschlagen. Für die einen waren das ein paar Minuten zu viel, für die anderen ein paar Minuten zu wenig. Doch nach wochenlangem Streik und zahllosen Verhandlungsrunden ist die Zeit der Prinzipienreiter vorbei. Keine Seite kann sich so verbessern, dass ein weiteres Verzögern zu rechtfertigen wäre. Die Positionen und Beweglichkeiten sind ausgereizt. Entweder man macht jetzt den Sack zu, oder man will sich nicht einigen. Kaum vorstellbar, dass etwa in der Metallindustrie nach siebenwöchigem Arbeitskampf ein Kompromiss an Minuten scheitern könnte. Aber unter der Beteiligung von Politikern tickt der öffentliche Dienst anders, spielt Ideologie eine größere Rolle.

Verdi hat vergebens auf die Nachgiebigkeit der Politiker wegen der Landtagswahlen spekuliert. Es ist vielmehr so, dass die Wahlen überstanden sein müssen, bevor eine Einigung möglich wird. Also nächste Woche. Für den kommunalen Bereich in Baden-Württemberg sind die Chancen gut. Doch was ist mit den Ländern? Verdi-Chef Frank Bsirske hat nur noch starke Truppen in den Unikliniken im Streik. Wenn die auch noch ohne Ergebnis zurück auf Station gerufen werden, ist der Kampf verloren.

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