Meinung : Zu viel Geduld

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Er ist 18, er hat einen Gleichaltrigen auf dem Gewissen, sein Leben ist versaut. Der junge Mann, der am Montag einen Oberschüler in einem Berliner Bus erstochen hat, passt auf makabre Weise in die Kriminalitätsstatistik. Seit Jahren berichtet die Polizei von sinkenden Verdächtigenzahlen, mit einer Ausnahme: Rohheitsdelikte unter Jugendlichen nehmen zu. Verkürzt gesagt: Am gefährlichsten leben in dieser Gesellschaft – nicht nur in Berlin – die jungen Männer. Der erstochene Oberschüler ist ein tragischer Beweis für die Erkenntnis, dass die Explosion von Brutalität unter männlichen Jugendlichen fast keinen Anlass braucht. Fest steht auch: Dieses Verbrechen hatte Vorstufen. Der Beschuldigte stand wegen anderer Rohheitsdelikte schon vor Gericht. Da war einer längst zum Sicherheitsrisiko geworden, bevor er das Messer gebrauchte, dass er, einfach so, dabeihatte. Gewiss, dazu kommen die üblichen Begleitumstände einer desolaten Jugend – Arbeitslosigkeit, Frust, die Unfähigkeit, etwas anderes mit sich anzufangen als herumzufahren und Streit zu suchen. Trotzdem zeigt dieses Gewaltverbrechen wie schon der Mord an dem sieben Jahre alten Jungen aus Zehlendorf: Da war einer aus schlechten Gründen in den Blick der Justiz geraten. Und die hat zu lange weggesehen. wvb.

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