Meinung : Zu viele Ecken und Kanten

Zum Nachruf auf Edda Blanck-Kurtzer

vom 10. Dezember

Es sind nicht unbedingt immer nur vollkommen sympathische Zeitgenossen ohne Ecken und Kanten, die Sie in Ihrer Nachrufeserie porträtieren. Das macht sie interessant und lesenswert. Über den Nachruf zu Edda Blanck-Kurtzer aber bin ich voller Verärgerung gestolpert: ein Denkmal für eine Hure, die wegen sexuellen Missbrauchs ihrer eigenen Kinder rechtskräftig verurteilt ist, muss das sein? Hätten Sie mit dem gleichen fröhlich-unbeschwerten Liberalismus berichtet, wenn es sich um einen katholischen Geistlichen oder den Lehrer eines Internats gehandelt hätte, dem solches in seiner Vergangenheit zur Last gelegt wurde?

Es gibt Grenzen der persönlichen Freiheit, die da enden, wo andere in Mitleidenschaft gezogen werden. Hier gab es nicht zwei Frauen, von denen eine nicht wusste, was die andere tat, hier gab es eine Frau, eine Mutter, die ihren Kindern das angetan hat, worüber der Tagesspiegel sonst zu Recht mit einer deutlichen Haltung und mit eindeutiger Empathie für die Opfer und nicht für die Täter berichtet. Es gereicht der Zeitung nicht zur Ehre in diesem Fall davon abgewichen zu sein.

Kirsten Kühl, Cottbus

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